Vergessene Heilmittel
Brennnessel im Pferdefutter: Überlieferung, Inhaltsstoffe und Grenzen
Brennnesseln haben eine lange Geschichte als Tiernahrung. Was diese Überlieferung bedeutet, welche Inhaltsstoffe beschrieben sind und worauf du beim Einsatz im Pferdefutter achten solltest.
Equidara-Redaktion · 17. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit

Brennnesseln werden seit Jahrhunderten als Tiernahrung verwendet, allerdings ohne Unterscheidung nach Tierarten. Wenn du Brennnessel im Fellwechsel oder bei Stoffwechselthemen einsetzen möchtest, halte drei Dinge auseinander: die traditionelle Verwendung, die beschriebenen Inhaltsstoffe und die Behandlung deines Pferdes. Aus einer Pflanzenanalyse allein ergibt sich weder eine passende Futtermenge noch eine Anwendung gegen Beschwerden.
Eine Futterpflanze mit langer Geschichte
Laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie, einer Fachgesellschaft der Humanmedizin, werden Brennnesseln seit Jahrhunderten als Lebensmittel, Tee und Tiernahrung genutzt.
Auch die Volksmedizin kennt verschiedene Anwendungen. Traditionell werden Blätter, Stängel und Wurzeln zur Wundbehandlung, zur Förderung der Harnausscheidung, bei Gelenkschmerzen, als Wurmmittel und bei Atemwegserkrankungen verwendet. Die Gesellschaft beschreibt Tiernahrung und Volksmedizin allgemein, nicht speziell für Pferde. Es handelt sich um unterschiedliche Anwendungen verschiedener Pflanzenteile, nicht um ein einheitliches Rezept für Brennnessel im Futtertrog. Die überlieferte Verwendung als Wurmmittel ersetzt keine Entwurmung, die du mit deinem Tierarzt abstimmst.
Für die Einordnung ist das wichtig: Eine überlieferte Anwendung zur Wundbehandlung ist etwas anderes als eine Fütterung. Auch eine traditionelle Verwendung der Wurzel lässt sich nicht einfach auf getrocknete Blätter übertragen. Schau deshalb genau hin, welcher Pflanzenteil und welche Art der Anwendung jeweils gemeint sind.
Fellwechsel und Stoffwechsel richtig einordnen
Bei Brennnessel im Pferdefutter sollten Begriffe wie „Fellwechsel“ und „Stoffwechsel“ nicht die genaue Beschreibung ersetzen. Entscheidend ist, ob du über die Zusammensetzung eines Futters sprichst oder über Beschwerden, die abgeklärt werden müssen. Ein enthaltener Pflanzenstoff ist für sich genommen noch keine Behandlungsanleitung.
Auch die traditionelle Förderung der Harnausscheidung sollte als solche benannt bleiben. Daraus wird nicht automatisch eine Anwendung für jedes Thema, das unter „Stoffwechsel“ eingeordnet wird.
Welche Inhaltsstoffe beschrieben sind
Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie nennt für getrocknete, pulverisierte Brennnesselblätter folgende Zusammensetzung:
- 33,8 Prozent Rohprotein
- 9,1 Prozent Rohfasern
- 3,6 Prozent Fett
- 37,4 Prozent Kohlenhydrate
Diese Werte beziehen sich ausdrücklich auf getrocknete, pulverisierte Blätter. Sie beschreiben die Zusammensetzung dieses Materials, nicht eine Fütterungsmenge für dein Pferd. Dass Blätter für eine Analyse getrocknet und pulverisiert wurden, ist auch noch kein Fütterungsrezept.
Für Blätter und Wurzeln führt die Gesellschaft außerdem Flavonoide, Phenolsäuren, Carotinoide, organische Säuren und Fettsäuren auf. In den Wurzeln wurden zusätzlich steroidähnliche Phytosterole festgestellt. Diese letzte Angabe gehört ausdrücklich zur Wurzel und sollte nicht als Eigenschaft eines reinen Blattfutters dargestellt werden.
Warum der Pflanzenteil wichtig ist
Nach Angaben der Gesellschaft unterscheidet sich die Zusammensetzung der Pflanzenstoffe je nach Pflanzenteil und Standort. Sie verändert sich außerdem mit der Jahreszeit. Die Bezeichnung „Brennnessel“ allein beschreibt daher die Zusammensetzung nicht vollständig.
Wenn du Angaben zu einem Brennnesselfutter einordnest, achte darauf, ob von Blättern, Wurzeln oder anderen Pflanzenteilen die Rede ist. Vergleiche eine Angabe über Wurzeln nicht ohne Weiteres mit einer Analyse von Blattpulver.
Worauf du achten solltest
Die Brennhaare auf den Blattoberseiten und Stängeln verursachen laut der Gesellschaft den bekannten Brenneffekt. Dabei bringen sie unter anderem Ameisensäure, Azetylcholin, Histamin und Serotonin in die Haut ein. Diese Angaben erklären den Kontakt mit der Pflanze; sie sind keine Beschreibung einer Futterwirkung.
Eine Einordnung speziell für Pferde liefert ein Fachbeitrag aus dem Jahr 2006 in der Zeitschrift Pferdeheilkunde, eine kritische Analyse zu Kräutern und Kräuterextrakten in der Fütterung von Sportpferden. Der Beitrag bezieht mögliche Nebenwirkungen und Dopingfragen gebräuchlicher Kräuterextrakte ein. Nach seiner Darstellung, Stand 2006, erschwert eine fehlende einheitliche Kontrolle von Kräuterprodukten die Unterscheidung der Qualität, und für Anwender kann ein Vergiftungsrisiko bestehen. Eine eigene Regel zur Brennnessel nennt er nicht. Startet dein Pferd auf Turnieren, sprich Kräuterzusätze deshalb mit deinem Tierarzt ab.
Für die praktische Anwendung gilt: Übernimm weder die Prozentwerte der Analyse als Dosierung noch eine volksmedizinische Anwendung als Rezept für dein Pferd. Lass Menge und Zubereitung mit deinem Tierarzt abstimmen, wenn du Brennnessel gezielt wegen gesundheitlicher Beschwerden geben möchtest. Das Hausmittel ersetzt keine tierärztliche Diagnose.
Bleibe auch sprachlich genau: „Traditionell zur Förderung der Harnausscheidung verwendet“ beschreibt eine Überlieferung. „Behandelt eine Stoffwechselstörung“ wäre dagegen ein Heilversprechen.
Häufige Fragen
Ist Brennnessel als Pferdefutter überliefert?
Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie beschreibt eine jahrhundertelange Verwendung als Tiernahrung. Diese historische Angabe unterscheidet nicht zwischen Tierarten und bezieht sich daher nicht ausdrücklich auf Pferde.
Welche Inhaltsstoffe enthalten Brennnesselblätter?
Für getrocknete, pulverisierte Blätter nennt die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie 33,8 Prozent Rohprotein, 9,1 Prozent Rohfasern, 3,6 Prozent Fett und 37,4 Prozent Kohlenhydrate. Für Blätter und Wurzeln beschreibt sie außerdem verschiedene Pflanzenstoffe, darunter Flavonoide und Phenolsäuren.
Sind Blätter und Wurzeln gleich zusammengesetzt?
Die Zusammensetzung unterscheidet sich laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie nach Pflanzenteil, Standort und Jahreszeit. Die Angabe zu steroidähnlichen Phytosterolen bezieht sich ausdrücklich auf die Wurzeln.
Welche Anwendung kennt die Volksmedizin?
Laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie werden Blätter, Stängel und Wurzeln traditionell unter anderem zur Wundbehandlung, zur Förderung der Harnausscheidung und bei Gelenkschmerzen verwendet. Diese Beschreibung betrifft nicht speziell Pferde.
Was sagt die Fachliteratur zu Kräutern im Futter von Sportpferden?
Ein Fachbeitrag aus dem Jahr 2006 in der Zeitschrift Pferdeheilkunde bezieht mögliche Nebenwirkungen und Dopingfragen gebräuchlicher Kräuterextrakte ein. Er beschreibt, dass eine fehlende einheitliche Kontrolle von Kräuterprodukten die Unterscheidung der Qualität erschwert. Eine eigene Regel zur Brennnessel nennt er nicht.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie: Behandlung mit Brennnesselpflanzen – belegte Inhaltsstoffe und Grenzen th
- Titelfoto: Charles J. Sharp, Wikimedia Commons
- Lizenz des Fotos: CC BY-SA 4.0
Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 17. Oktober 2026.
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