Gesundheit & Therapien

Magengeschwüre beim Pferd: Anzeichen, Ursachen und sichere Diagnose

Equine Gastric Ulcer Syndrome (EGUS) betrifft viele Pferde, oft ohne klare Symptome. Erfahre, welche Rolle Fütterung und Stress spielen und warum nur die Magenspiegelung Gewissheit bringt.

Equidara-Redaktion · 27. September 2026 · 3 Min. Lesezeit

Tierarzt führt eine Magenspiegelung bei einem Pferd durch.
KI-generiertes Bild

Magengeschwüre sind bei Pferden weit verbreitet. Fachleute sprechen vom Equine Gastric Ulcer Syndrome (EGUS). Besonders Sport- und Rennpferde sind betroffen – bei ihnen liegt die Häufigkeit bei bis zu 90 Prozent. Auch bis zu 50 Prozent der Fohlen sind betroffen. Die Anzeichen sind oft vage, die Ursachen vielfältig. Eine sichere Diagnose liefert nur die Magenspiegelung.

Was ist EGUS?

EGUS steht für Magenschleimhautläsionen, die im gesamten Magen und angrenzenden Dünndarm auftreten können. Man unterscheidet zwei Hauptformen: Läsionen im drüsenlosen Teil (ESGD) und solche in der Drüsenschleimhaut (EGGD). Beide können gleichzeitig vorkommen.

Anzeichen: Oft unspezifisch

Die Symptome sind selten eindeutig. Viele Pferde zeigen nur leichte Veränderungen, die leicht übersehen werden. Typische Hinweise sind:

Eine starke Korrelation zwischen dem Schweregrad der Geschwüre und der Deutlichkeit der Symptome besteht nicht. Deshalb ist bei einem Verdacht der Tierarzt gefragt.

Ursachen: Fütterung, Stress und Haltung

Die Entstehung von Magengeschwüren ist multifaktoriell. Drei Bereiche sind wichtig.

Fütterung

Kraftfutterreiche Rationen mit wenig Raufutter begünstigen EGUS. Bei der Fermentation von Getreide entstehen kurzkettige Fettsäuren, die die Schleimhaut des drüsenlosen Magens schädigen können. Lange Fresspausen und zu geringe Heumengen verstärken das Problem, weil der Magen dann ungeschützt der Säure ausgesetzt ist. Eine Studie der FU Berlin zeigte, dass die Fütterung von Gerste das Risiko für Läsionen im drüsenlosen Teil (ESGD) signifikant erhöhte, während Luzerne mit mehr Läsionen in der Drüsenschleimhaut (EGGD) einherging.

Günstig wirkt sich dagegen langsames Fressen aus. Heunetze können die Fressdauer verlängern und so die Speichelproduktion steigern. Speichel enthält Bikarbonat, das die Magensäure abpuffert. In der Berliner Studie hatten Pferde, die Heu aus einem Netz bekamen, überwiegend keine oder nur geringe Magenbefunde.

Stress und Training

Stress ist ein bedeutender Risikofaktor. Dazu zählen intensives Training, Turnierteilnahme, Transport, häufiger Reiterwechsel oder Stallwechsel. Auch Erkrankungen oder Krankenhausaufenthalte können über den Stressmechanismus Magengeschwüre auslösen.

Haltung

Die Haltungsform beeinflusst das Risiko. Pferde in ganzjähriger Offenstallhaltung mit Gruppenkontakt und Weidegang hatten in der Berliner Untersuchung deutlich seltener Magenläsionen. Dagegen traten Läsionen der Drüsenschleimhaut (EGGD) signifikant häufiger bei Einzelboxenhaltung mit Paddock oder bei Boxenhaltung mit Gruppenweide auf.

Diagnose: Nur die Magenspiegelung bringt Gewissheit

Klinische Anzeichen und Laborwerte allein reichen für eine sichere Diagnose nicht aus. Der einzig definitive Nachweis gelingt mit einer Gastroskopie. Dafür wird ein etwa drei Meter langes Endoskop über die Nüstern in den leeren Magen eingeführt.

Damit der Tierarzt die Schleimhaut vollständig beurteilen kann, muss das Pferd mindestens zwölf Stunden nüchtern sein. Wasser sollte immer zur Verfügung stehen. Viele Pferde benötigen in dieser Zeit einen Maulkorb, damit sie keine Einstreu aufnehmen.

Während der Untersuchung werden die Läsionen nach einem standardisierten Schema von 0 (normal) bis 4 (schwer) eingeteilt. Das ermöglicht eine einheitliche Kommunikation und Verlaufskontrollen.

Ist eine Endoskopie nicht verfügbar, kann der Tierarzt eine probatorische Behandlung einleiten. Bessern sich die Symptome innerhalb weniger Tage unter einem Medikament, das die Magensäure reduziert, gilt die Diagnose als wahrscheinlich. Welches Präparat geeignet ist und wie lange es gegeben wird, entscheidet ausschließlich der Tierarzt.

Häufige Fragen

Welche Anzeichen deuten auf Magengeschwüre hin?

Typisch sind unspezifische Symptome wie Leistungsabfall, wiederholte leichte Koliken, Appetitmangel, Gewichtsverlust, Flehmen oder Kotwasser. Da diese Anzeichen auch bei anderen Erkrankungen vorkommen, ist eine tierärztliche Abklärung notwendig.

Was sind die häufigsten Ursachen für EGUS?

Kraftfutterreiche Fütterung, lange Fresspausen, zu wenig Raufutter, Stress durch Training, Transport oder Stallwechsel sowie Einzelboxenhaltung ohne ausreichenden Kontakt zu Artgenossen und Weidegang zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren.

Wie läuft eine Magenspiegelung ab?

Das Pferd muss mindestens zwölf Stunden nüchtern sein. Dann führt der Tierarzt ein Endoskop über die Nase in den Magen ein und beurteilt die Schleimhaut. Die Untersuchung ist der einzige sichere Weg, um Magengeschwüre nachzuweisen und ihren Schweregrad zu bestimmen.

Kann man Magengeschwüre auch ohne Spiegelung behandeln?

Wenn eine Gastroskopie nicht möglich ist, kann der Tierarzt eine Verdachtsbehandlung mit einem säurehemmenden Medikament beginnen. Bessern sich die Symptome innerhalb weniger Tage, spricht das für EGUS. Die genaue Diagnose und Therapie gehören aber in tierärztliche Hand.

Quellen

  1. Gastric Ulcers in Horses – Merck Veterinary Manual
  2. Magengeschwüre – Universitäres Tierspital Zürich
  3. Magengeschwüre – Universitäres Tierspital Zürich (Kurzinfo)
  4. Deutschlandweite multizentrische Untersuchung zur Ätiologie von Magenschleimhautläsionen beim Pferd – FU Berlin (2021)
  5. Prävalenz und Behandlungsmöglichkeiten von Läsionen der Drüsenschleimhaut beim Pferd – Pferdeheilkunde (2021)
  6. Magengeschwür beim Pferd

Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 4. Oktober 2026.

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