Vergessene Heilmittel

Leinsamen und Leinschleim beim Pferd: das alte Hausmittel richtig zubereiten

Leinschleim ist ein altes Hausmittel für Verdauung und Haut. Hier findest du die Zubereitung nach der Universität Zürich, die Tagesmenge für dein Pferd und worauf du achten solltest.

Equidara-Redaktion · 6. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit

Leinsamen und eine Schleimzubereitung aus Leinsamen
Archivbild. Foto: Quartl, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

Leinsamen und Leinschleim gehören zu den ältesten Hausmitteln im Pferdestall. Vor allem bei Verdauungsbeschwerden und für die Haut greifen Pferdehalter seit Generationen darauf zurück. Wie man den Schleim zubereitet und wie viel ein Pferd bekommt, beschreibt das Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich.

Was hinter dem alten Hausmittel steckt

Tradition: Verdauung, Haut und Stärkung

Laut dem Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie der Universität Zürich verwenden Bäuerinnen und Bauern der Deutschschweiz und des Tessins Zubereitungen aus Lein, botanisch Linum usitatissimum, auch bei Pferden. Überliefert sind Samenabkochungen, Schleim und Brühe für Verdauungstrakt und Stoffwechsel, Haut, Harn- und Geschlechtsorgane sowie zur allgemeinen Stärkung.

Innerlich nimmt man Leinschleim traditionell bei Entzündungen der Magen- und Darmschleimhaut, bei Magen-Darm-Störungen und bei Verstopfung. Äußerlich kommt Leinsamen als warmer Breiumschlag bei örtlichen Hautentzündungen und zum Reifen von Abszessen zum Einsatz.

Leinsamen, Leinschleim und Leinöl

Laut Universität Zürich ist Leinöl das aus den Samen kalt gepresste fette Öl und damit etwas anderes als die Samen oder der Schleim. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft beschreibt bei Leinöl positive Wirkungen auf Haut und Fell und einen leichteren Fellwechsel, in einem Text zur Rinderfütterung. Für Pferde gibt es dazu, wie zu vielen Naturstoffen, kaum Studien: Pflanzen lassen sich nicht patentieren und vermarkten, teure Forschung rechnet sich deshalb für niemanden.

Leinschleim zubereiten

Einweichen für die innerliche Anwendung

Die Universität Zürich beschreibt folgende Schleimzubereitung:

Für Pferde nennt die Dosierungstabelle derselben Quelle 50–100 g Leinsamen pro Tag, für Leinsamen wie für Leinsamenschleim. Gemeint ist die Menge der Samen, nicht das Gewicht des fertigen Schleims.

Kochen für einen äußerlichen Umschlag

Für einen feuchtwarmen Breiumschlag beschreibt die Universität Zürich eine andere Zubereitung:

Das Kochrezept ist für den Umschlag gedacht, nicht zum Füttern.

Worauf du achten solltest

Darmverschluss und Medikamente

Die Universität Zürich nennt Darmverschluss als Gegenanzeige. Besteht dieser Verdacht, ruf sofort den Tierarzt; Leinsamen sind dann nicht das Richtige.

Schleimstoffe können laut Universität Zürich die Aufnahme anderer Arzneimittel aus dem Magen-Darm-Trakt verringern, etwa von Eisenpräparaten. Genannt werden außerdem mögliche Wechselwirkungen mit gerinnungshemmenden Mitteln, Insulin und blutzuckersenkenden Mitteln zum Eingeben, und Leinsamen können die Aufnahme von Kohlenhydraten verzögern. Bekommt dein Pferd Medikamente, sprich die Gabe vorher mit deinem Tierarzt ab.

Bleib bei der angegebenen Tagesmenge: Als Risiko sehr hoher Mengen nennt die Universität Zürich Unfruchtbarkeit durch Lignane.

Trocken lagern

Leinsamen enthalten das Glykosid Linamarin, aus dem Blausäure entstehen kann. Laut Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft kann es sich in Leinkuchen zersetzen, der länger als sechs Monate in feuchten Räumen lagert. Lagere Leinsamen und Leinschrot deshalb trocken und nicht monatelang auf Vorrat.

Turniersport

Die Universität Zürich stuft Leinsamen mit Stand 2023 als nicht dopingverdächtig ein. Weil sich solche Einstufungen ändern können, wirf vor einem Turnier einen Blick in die aktuelle Liste verbotener Substanzen der Internationalen Reiterlichen Vereinigung FEI.

Häufige Fragen

Muss ich Leinsamen für Leinschleim kochen?

Nein. Für den Schleim zum Eingeben weichst du laut Universität Zürich 1 Esslöffel Leinsamen 30 Minuten in 150 ml Wasser ein. Gekocht werden die Samen nur für einen äußerlichen Breiumschlag.

Wie viel Leinsamen bekommt ein Pferd am Tag?

Die Universität Zürich nennt 50–100 g Leinsamen pro Tag, für Leinsamen wie für Leinsamenschleim. Gemeint ist die Menge der Samen, nicht das Gewicht des fertigen Schleims.

Hilft Leinöl beim Fellwechsel?

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft beschreibt bei Leinöl positive Wirkungen auf Haut, Fell und Fellwechsel, in einem Text zur Rinderfütterung. Leinöl ist das gepresste Öl und nicht dasselbe wie Leinsamen oder Leinschleim.

Kann ich Leinschleim zusammen mit Medikamenten geben?

Sprich das vorher mit deinem Tierarzt ab. Laut Universität Zürich können Schleimstoffe die Aufnahme anderer Arzneimittel verringern, genannt werden unter anderem Eisenpräparate, gerinnungshemmende Mittel und Insulin.

Quellen

  1. Universität Zürich, Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie: Lini semen – veterinärmedizinische Anwendung und Zubereitung von L (2023)
  2. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: Leinkuchen – Schleimbildung, Leinöl und Fell sowie Lagerung; Rinderfütterung, kein pferdespezif
  3. Titelfoto: Quartl, Wikimedia Commons
  4. Lizenz des Fotos: CC BY-SA 3.0

Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 6. Oktober 2026.

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