Transport
Transportstress beim Pferd: Anzeichen erkennen und Fahrten vorbereiten
Transportstress kann schon vor dem Verladen beginnen. So erkennst du Warnzeichen, bereitest dein Pferd schrittweise vor und planst Futter- und Wasserpausen während der Fahrt.
Equidara-Redaktion · 17. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Transportstress kann sich beim Pferd schon vor dem Verladen zeigen, etwa durch Lautäußerungen, Scharren, verstärkte Bewegung oder Zittern. Vorbeugen kannst du mit schrittweiser Vorbereitung, regelmäßigem Verladetraining, einer angepassten Fahrweise und geplanten Futter- und Wasserpausen. Auch wenn dein Pferd problemlos einsteigt, beobachte sein Verhalten während der gesamten Fahrt. Hast du Zweifel an seiner Transportfähigkeit, hol tierärztlichen Rat ein.
Transportstress vor und beim Verladen erkennen
Die Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Animals beschreibt verschiedene Anzeichen von Angst und transportbezogenem Problemverhalten. Sie fasst Studien zusammen, die bis zu ihrem Erscheinen vorlagen. Achte darauf, in welcher Situation die Anzeichen auftreten.
- Vor dem Verladen können Lautäußerungen, Scharren, verstärkte Bewegung und Zittern auftreten.
- Beim Verladen kann sich Vermeidung durch Steigen oder durch seitliches oder rückwärtiges Wegziehen zeigen.
- Ebenfalls beim Verladen können stressbezogene Verhaltensweisen wie Scharren, Ausschlagen, Durchgehen und Kopfschütteln auftreten.
Die Belastung beginnt also nicht erst auf der Straße. Eine Untersuchung, die die Übersichtsarbeit auswertet, stellte unmittelbar nach dem Verladen einen erhöhten Hämatokrit sowie erhöhte Herz- und Atemfrequenzen fest. Sie beschrieb das Verladen unabhängig von der gefahrenen Strecke als durchgehend stressbelastet.
Ein Pferd, das ohne sichtbare Probleme einsteigt, ist deshalb nicht automatisch auf die gesamte Fahrt vorbereitet. Darauf weist auch die britische Tierschutzorganisation World Horse Welfare hin. Sie rät, das Verhalten während der ganzen Fahrt weiter zu beobachten.
Vorbereitung: mehr üben als nur Einsteigen
Laut World Horse Welfare solltest du dein Pferd körperlich und mental schrittweise auf den Transport vorbereiten. Dazu gehört mehr als das Verladen. Übe auch Abladen und ruhiges Stehen regelmäßig, selbst wenn keine Fahrt geplant ist.
Die Übersichtsarbeit in Animals empfiehlt vorbereitende Bodenarbeit, bei der Pferd und Mensch nach korrekt angewandten Lernprinzipien arbeiten. Auch die Gewöhnung an Verladen und Fahren sowie selbstständiges Einsteigen scheinen das Risiko transportbezogener Problemverhaltensweisen zu verringern. Eine Garantie für eine stressfreie Fahrt ist das nicht.
Viele Pferde reisen laut World Horse Welfare mit einem vertrauten, ruhigen Artgenossen besser. Besonders in frühen Trainingsphasen kannst du deshalb nach Möglichkeit ein solches Begleitpferd mitnehmen.
Vor jeder Fahrt prüfen
World Horse Welfare empfiehlt, die Transportfähigkeit vor jeder Fahrt zu prüfen. Dass eine frühere Fahrt problemlos verlief, ersetzt diese Prüfung nicht.
- Hol bei Bedenken tierärztlichen Rat ein.
- Gib deinem Pferd vor Fahrtbeginn Zugang zu Raufutter.
- Stell ihm vor Fahrtbeginn uneingeschränkt und durchgehend sauberes Trinkwasser zur Verfügung.
Während der Fahrt: Fahrweise, Temperatur und Kopfbewegung
Beobachte, wie dein Pferd auf unterschiedliche Straßenverhältnisse reagiert, und passe deine Fahrweise daran an. World Horse Welfare nennt langsames Beschleunigen, das Vermeiden starken Bremsens und vorsichtiges Fahren in Kurven und Kreisverkehren.
Bewegungsstress und eine Überlastung durch Sinnesreize beginnen laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, kurz EFSA, sobald sich das Fahrzeug bewegt, und dauern während der Fahrt an. Sie können zu Ermüdung, Angst und starker Belastung führen. Die EFSA empfiehlt deshalb in ihrem wissenschaftlichen Gutachten zum Pferdetransport, die Fahrtdauer auf ein Minimum zu beschränken. Die folgenden EFSA-Angaben stammen aus diesem Gutachten.
Auch die Bedingungen im Fahrzeug verdienen Aufmerksamkeit. Nach dem Gutachten der EFSA sollte die Temperatur im Fahrzeug die obere kritische Temperatur nicht überschreiten, die sie auf 25 °C Trockentemperatur schätzt. Das ist eine wissenschaftliche Empfehlung, keine gesetzliche Grenze.
Pferde müssen außerdem den Kopf unter Widerristhöhe senken können, um ihre Atemwege freizumachen. Die EFSA empfiehlt deshalb, sie weder beidseitig noch mit einem Strick unter 60 cm Länge anzubinden. Laut World Horse Welfare besteht während des Transports ein erhöhtes Risiko für Atemwegsprobleme, besonders bei schlechter Belüftung oder wenn das Pferd den Kopf längere Zeit nicht frei bewegen kann.
Pausen für Futter und Wasser einplanen
Die EFSA empfiehlt während des Transports Futter und Wasser nach Belieben oder zumindest in regelmäßigen Abständen von höchstens vier Stunden. Bei dieser zweiten Möglichkeit sollen Futter und Wasser jeweils 30 Minuten bei stehendem Fahrzeug angeboten werden.
Die vier Stunden sind kein Zeitraum ohne Belastung: Laut EFSA wurden Verhaltensanzeichen für Durst nach drei Stunden und physiologische Hinweise auf Flüssigkeitsmangel bereits nach einer bis drei Stunden Transport gemeldet.
Plane die Versorgung deshalb als festen Bestandteil der Fahrt. Mit zunehmender Fahrtdauer nehmen laut EFSA auch Probleme durch fehlende Ruhe zu. Sie können zu Ermüdung führen.
Beobachtung bleibt wichtig, hat aber Grenzen. Die EFSA hat verhaltensbezogene, klinische und physiologische Merkmale zur Zustandsbeurteilung benannt. Im Transportfahrzeug ist ihr Nutzen jedoch begrenzt.
Nach der Ankunft Wasser und Bewegung ermöglichen
Nach der Fahrt sollte dein Pferd laut World Horse Welfare uneingeschränkt Zugang zu Wasser haben. Es sollte außerdem Kopf, Hals und Beine strecken können. Dafür eignen sich Grasen an der Hand oder Weidegang, sofern das möglich und sicher ist.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich Transportstress schon vor dem Verladen?
Laut der Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Animals können Lautäußerungen, Scharren, verstärkte Bewegung und Zittern bereits vor dem Verladen Anzeichen von Angst sein.
Reicht es, wenn mein Pferd problemlos einsteigt?
Nicht unbedingt. Laut World Horse Welfare können auch Pferde, die scheinbar problemlos einsteigen, noch nicht transportbereit sein. Beobachte dein Pferd deshalb während der gesamten Fahrt.
Wie oft braucht mein Pferd unterwegs Futter und Wasser?
Die EFSA empfiehlt in ihrem wissenschaftlichen Gutachten Futter und Wasser nach Belieben oder zumindest in Abständen von höchstens vier Stunden für jeweils 30 Minuten bei stehendem Fahrzeug. Das ist eine Empfehlung, keine gesetzliche Vorgabe.
Was sollte ich unabhängig von einer geplanten Fahrt üben?
World Horse Welfare empfiehlt, Verladen, Abladen und ruhiges Stehen regelmäßig zu üben, auch wenn keine Fahrt geplant ist. Die Vorbereitung sollte körperlich und mental schrittweise erfolgen.
Quellen
- Fachzeitschrift Animals: How to minimise the incidence of transport-related problem behaviours in horses: a review – Übersichtsarbeit zu Ver (20.09.2017)
- Travelling safely: is your horse fit to travel? - World Horse Welfare (17/7/2026)
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Wohlergehen von Pferden beim Transport – Empfehlungen zu Platz, Temperatur, Fahrtdaue (07.09.2022)
- Welfare of equine during transport | EFSA (07.09.2022)
Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 17. Oktober 2026.
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