Gesundheit & Therapien

Kolik beim Pferd: Anzeichen erkennen und richtig handeln, bis der Tierarzt kommt

Kolik ist der häufigste Notfall beim Pferd. Woran du sie erkennst, was du bis zum Tierarzt tust und lässt, welche Werte er am Telefon braucht und was eine frühere Kolik-OP beim Kauf bedeutet.

Equidara-Redaktion · 21. September 2026 · 6 Min. Lesezeit

Tierärztin hört ein braunes Pferd mit Blesse hinter der Schulter mit dem Stethoskop ab, im Hintergrund Koppelzäune und Bäume
Eine Tierärztin untersucht ein Pferd mit dem Stethoskop. Foto: USDA (Christophe Paul), gemeinfrei, Wikimedia Commons

Kolik bedeutet Bauchschmerzen, und beim Pferd ist sie immer ein Fall für den Tierarzt. Ruf an, sobald dein Pferd scharrt, sich nach dem Bauch umschaut, sich wälzt oder weniger frisst und weniger Kot absetzt. Bis der Tierarzt da ist, nimmst du das Futter weg, lässt das Wasser stehen, misst Puls, Atmung und Temperatur und gibst keine Medikamente, solange er es nicht ausdrücklich sagt.

Was hinter einer Kolik steckt

Kolik ist keine eigene Krankheit. Das Wort steht für Schmerzen im Bauch, die meist vom Darm kommen, manchmal auch von Leber oder Nieren. So beschreibt es der Ratgeber der University of Florida. Die meisten Koliken verlaufen mild. Trotzdem ist Kolik laut der British Horse Society weltweit der häufigste Notfall und die häufigste Todesursache bei Pferden.

Das Heikle: Eine harmlose Verstopfung und ein verdrehter Darm fangen oft ähnlich an. Laut Merck Veterinary Manual verraten die Anzeichen nicht, welcher Teil des Darms betroffen ist. Ob operiert werden muss, klärt erst die Untersuchung.

Anzeichen: von leicht bis schwer

Manche Pferde werden bei Schmerzen gefährlich, andere zeigen nur kleine Veränderungen, schreibt die British Horse Society. Lerne dein Pferd also im gesunden Zustand gut kennen.

Leichte und frühe Anzeichen

Deutliche Anzeichen

Ernste Warnzeichen

Schmerzen, die nicht nachlassen, sind laut University of Florida das wichtigste Zeichen dafür, dass eine Operation nötig sein kann. Schlechtere Aussichten haben laut Merck Pferde ohne Darmgeräusche, mit aufgeblähtem Darm oder roten Schleimhäuten. Blasse oder bläuliche Schleimhäute deuten auf Sauerstoffmangel hin, graue auf eine schlechte Durchblutung. Auch leichte Anzeichen, die über mehrere Tage anhalten, gehören untersucht.

Bis der Tierarzt kommt: das tust du

  1. Ruf sofort den Tierarzt an. Die British Horse Society rät, ihm gleich den Standort mitzuschicken, etwa als Kartenpunkt.
  2. Nimm alles Futter weg. Das Wasser bleibt stehen.
  3. Trag Helm und Handschuhe. Führ das Pferd an der Longe auf einem sicheren Platz, oder stell es in eine Box ohne Eimer und andere Gegenstände, an denen es sich verletzen kann.
  4. Führ es nur, wenn es mitgeht, und zwing es nicht. Liegt es ruhig, darf es liegen bleiben. Hinlegen und Wälzen verschlimmern die Kolik laut British Horse Society nicht.
  5. Miss Puls, Atmung und Temperatur, schau dir das Zahnfleisch an und schreib alles mit Uhrzeit auf.

Was du lassen solltest

Was der Tierarzt am Telefon wissen will

Die University of Florida nennt für erwachsene Pferde diese Normalwerte:

WertNormal beim erwachsenen Pferd
Puls24 bis 48 Schläge pro Minute
Atmung10 bis 24 Atemzüge pro Minute
Temperatur (im After gemessen)etwa 37,2 bis 38,6 °C
Schleimhäute (Zahnfleisch)rosa und feucht
Kapillarfüllzeitunter 2 Sekunden
Kotabsatzmeist 6 bis 10 geformte Haufen in 24 Stunden

Die Kapillarfüllzeit ist die Zeit, bis eine mit dem Finger weiß gedrückte Stelle am Zahnfleisch wieder rosa wird. Die Werte schwanken etwas von Pferd zu Pferd. Miss sie deshalb auch an gesunden Tagen.

Halte außerdem bereit:

Häufige Ursachen

Am häufigsten sind laut University of Florida Störungen der Darmtätigkeit: Gas, das den Darm dehnt, Krämpfe in der Darmwand und Verstopfungen. Seltener verlagert, verdreht oder klemmt sich der Darm ein. Das lässt sich nicht gezielt verhindern und muss oft operiert werden. Dazu kommen Entzündungen und Geschwüre, etwa im Magen.

Das Risiko für eine Verstopfung steigt, wenn ein Pferd zu wenig trinkt, schlechtes Heu frisst, viel Sand aufnimmt oder wegen Zahnproblemen schlecht kaut. Die British Horse Society nennt außerdem höheres Alter, kürzliche Änderungen bei Fütterung oder Haltung und frühere Koliken. Pferde, die viel im Stall stehen, bekommen laut Penn State häufiger Kolik als Weidepferde.

Vorbeugen: Fütterung, Wasser, Routine

Ganz verhindern lässt sich Kolik nicht, aber du kannst das Risiko senken:

Kolik in der Vorgeschichte: was das für Kauf und Versicherung bedeutet

Eine überstandene Kolik muss nicht gegen einen Kauf sprechen, du solltest aber davon wissen. Laut British Horse Society haben Pferde nach einer Kolik ein höheres Risiko, besonders nach einer Kolik-OP.

Bei der Operation wird in Narkose die Bauchhöhle geöffnet, verlagerter Darm zurückgebracht und geschädigter Darm entfernt. Danach bleibt das Pferd in der Klinik, bis die Fäden gezogen sind, und braucht rund drei Monate Ruhe, schreibt die Pferdeklinik der FU Berlin. Die meisten Pferde erreichen danach laut University of Florida wieder ihr früheres Leistungsniveau. Merck gibt die Überlebensrate nach einer Kolik-OP mit 50 bis über 80 Prozent an.

Frag vor dem Kauf den Verkäufer direkt nach Koliken und Operationen. Im Protokoll zur Kaufuntersuchung der Pferdeklinik Burg Müggenhausen etwa gibt der Verkäufer frühere Erkrankungen und Operationen schriftlich an, und der Tierarzt notiert auffällige Narben. Nach einer Kolik-OP lässt du dir den Klinikbericht zeigen und besprichst ihn mit dem Tierarzt der Ankaufsuntersuchung.

Laut Verbraucherzentrale versichern Tierkrankenversicherungen grundsätzlich nur gesunde Tiere, bei Vorerkrankungen verlangen sie mitunter ein tierärztliches Gutachten. Für Krankheiten gilt meist eine Wartezeit von drei Monaten ab Vertragsbeginn. Klär deshalb vor dem Kauf mit dem Versicherer, ob er ein Pferd mit Kolik-OP nimmt und ob Koliken vom Schutz ausgenommen werden.

Häufige Fragen

Darf sich ein Pferd mit Kolik wälzen?

Laut British Horse Society verschlimmern Hinlegen und Wälzen die Kolik nicht. Räum Eimer und andere Gegenstände weg, an denen sich das Pferd verletzen kann, und bring dich nicht selbst in Gefahr. Den Tierarzt rufst du in jedem Fall sofort an.

Darf ich meinem Pferd bei Kolik ein Schmerzmittel geben?

Nur wenn dein Tierarzt es ausdrücklich sagt. Hinter kolikähnlichen Anzeichen können verschiedene Krankheiten stecken, und der Tierarzt untersucht das Pferd wenn möglich, bevor es Medikamente bekommt.

Welche Werte sind bei einem erwachsenen Pferd normal?

Laut University of Florida hat ein erwachsenes Pferd 24 bis 48 Pulsschläge und 10 bis 24 Atemzüge pro Minute und etwa 37,2 bis 38,6 °C Temperatur. Das Zahnfleisch ist rosa und feucht. Miss die Werte auch an gesunden Tagen, denn sie schwanken etwas von Pferd zu Pferd.

Kann ich ein Pferd nach einer Kolik-OP kaufen?

Ja, die meisten Pferde erreichen nach rund drei Monaten Ruhe wieder ihr früheres Leistungsniveau. Das Risiko für eine weitere Kolik ist aber höher. Lass dir den Klinikbericht zeigen, besprich ihn mit dem Tierarzt der Ankaufsuntersuchung und klär vorher, ob ein Versicherer das Pferd nimmt.

Quellen

  1. A Horse Owner's Guide to Colic, Amanda M. House (University of Florida College of Veterinary Medicine)
  2. Colic in Horses, James N. Moore (Merck Veterinary Manual)
  3. Colic in horses (The British Horse Society) (16.07.2026)
  4. Colic: What are the Signs and How to Manage? (Penn State Extension) (25.04.2024)
  5. Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (Pferdeklinik, Fachbereich Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin)
  6. Protokoll über eine Kaufuntersuchung beim Pferd (Pferdeklinik Burg Müggenhausen)
  7. Krankenversicherungen für Haustiere: sinnvoll oder überflüssig? (Verbraucherzentrale) (22.01.2025)
  8. Titelfoto: USDA (Christophe Paul), Wikimedia Commons
  9. Lizenz des Fotos: gemeinfrei (Werk der US-Bundesbehörde USDA)

Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 30. September 2026.

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