Gesundheit & Therapien

Hufrehe beim Pferd: Ursachen, Anzeichen und was du sofort tun musst

Hufrehe ist ein Notfall. Wir erklären, was dabei im Huf passiert, welche Pferde gefährdet sind, woran du einen Schub erkennst, wie du vorbeugst und was eine frühere Rehe beim Kauf bedeutet.

Equidara-Redaktion · 21. September 2026 · 5 Min. Lesezeit

Braunes Pferd mit weißer Blesse trägt eine schwarze Fressbremse und steht an einem Holzzaun, dahinter eine Weide und Berge
Pferd mit Fressbremse am Weidezaun. Foto: Montanabw, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Hufrehe ist eine Entzündung der Huflederhaut, bei der sich das Hufbein aus seiner Aufhängung in der Hornkapsel lösen kann. Die häufigsten Auslöser sind heute Stoffwechsel- und Hormonstörungen wie das Equine Metabolische Syndrom, oft zusammen mit zu viel Zucker aus Gras oder Kraftfutter. Steht dein Pferd klamm, will es die Hufe nicht geben und sind die Hufe warm, ruf sofort den Tierarzt. Bis er da ist, steht das Pferd auf weichem Boden und wird nicht bewegt.

Was im Huf passiert

Das Hufbein hängt in der Hornkapsel an feinen Lamellen, die ineinandergreifen wie die Zinken zweier Kämme. Bei einer Rehe werden diese Lamellen geschädigt, so beschreibt es das Merck Veterinary Manual. Das Tierspital der Universität Zürich spricht von einer aseptischen Entzündung der Huflederhaut, also einer Entzündung ohne Keime.

Hält die Aufhängung nicht mehr, kann das Hufbein kippen, weil die tiefe Beugesehne daran zieht. Tierärzte nennen das Rotation. Das Hufbein kann auch absinken und in schweren Fällen durch die Sohle brechen. Meist trifft es die Vorderhufe.

Nach dem Auslöser wirkt das Pferd laut Tierspital Zürich zunächst fast unauffällig, obwohl im Huf schon Schäden entstehen. Diese Phase dauert wenige Stunden, bei Allgemeinerkrankungen auch mehrere Tage.

Die häufigsten Auslöser

Hormone und Stoffwechsel: EMS und PPID

Laut Merck Veterinary Manual sind hormonelle Ursachen heute die häufigsten, allen voran das Equine Metabolische Syndrom (EMS). Sein Kern ist eine Insulindysregulation: Das Pferd hat zu viel Insulin im Blut, oder der Körper reagiert schlecht darauf. Typisch sind Übergewicht, ein Speckhals und Fettpolster am Schweifansatz, es gibt aber auch schlanke Pferde mit EMS. Besonders oft trifft es Ponys.

Die zweite Hormonkrankheit ist PPID, früher Equines Cushing-Syndrom genannt. Ursache ist ein gutartiger Tumor in der Hirnanhangsdrüse, betroffen sind meist Pferde ab 18 Jahren. Auffällig ist ein langes Fell, das nicht mehr gewechselt wird, dazu Muskelschwund und starkes Schwitzen. Kommt eine Insulindysregulation hinzu, ist das Reherisiko hoch.

Futter, Weide und Fruktan

Zucker, Stärke und Fruktane heißen zusammen Nicht-Struktur-Kohlenhydrate, kurz NSC. Frisst ein Pferd zu viel davon, ob aus Kraftfutter oder Gras, gärt der Überschuss im Dickdarm zu schnell. Das kann eine Rehe auslösen. Laut einem Ratgeber der Oregon State University gehen in den USA 46 Prozent der gemeldeten Rehefälle auf zu viel üppiges, schnell wachsendes Gras zurück. Gras, das unter Kälte oder Trockenheit leidet, kann besonders viel NSC enthalten.

Belastungsrehe

Auch Überlastung durch unpassendes Training oder harten Boden kann eine Rehe auslösen (Tierspital Zürich). Schont ein Pferd ein verletztes Bein lange, kann das gesunde Bein, das die ganze Last trägt, eine Rehe bekommen.

Vergiftung, Geburt, Kolik und Medikamente

Weitere Auslöser sind Vergiftungen, eine nicht abgegangene Nachgeburt, Koliken und bestimmte Medikamente (Tierspital Zürich). Das Merck Veterinary Manual nennt Kortison, vor allem bei anfälligen Pferden, und als klassische Vergiftung Einstreu aus Schwarznussholz.

Woran du Hufrehe erkennst

Fühl den Puls am Fesselkopf regelmäßig, solange dein Pferd gesund ist. Dann merkst du schneller, wenn er pocht.

Was du sofort tun musst

Das Tierspital Zürich nennt Hufrehe einen absoluten Notfall.

  1. Ruf sofort den Tierarzt an, auch nachts und am Wochenende.
  2. Beweg das Pferd nicht. Nicht führen, nicht longieren, nicht auf den Paddock.
  3. Stell es in eine Box mit tiefer, weicher Einstreu.
  4. Nimm das Kraftfutter weg. Wie viel Heu es bekommt, besprichst du mit dem Tierarzt.
  5. Frag am Telefon, ob du die Hufe schon kühlen sollst. Kühlen mit Eis ist laut Merck derzeit die wirksamste Behandlung, um die Schäden an den Lamellen zu verringern.

Der Tierarzt behandelt die Grundkrankheit und die Schmerzen, stützt Strahl und Sohle und röntgt die Hufe. Die Beschwerden sollten laut Tierspital innerhalb von 2 bis 14 Tagen abklingen, bei etwa 10 Prozent der Patienten kommt es zu Komplikationen.

Vorbeugen: Gewicht, Weide, Heu

Das Tierspital Zürich rät zu regelmäßigen Gewichtskontrollen, die Oregon State University zu einem Body Condition Score von 4 bis 6. In einer britischen Studie mit gut 1000 Pferden und Ponys (Pollard u. a., 2019) bekamen Tiere, die zugenommen hatten, häufiger Rehe.

Für die Weide rät die Oregon State University:

Pferde mit EMS brauchen laut Merck fast immer eine strenge Beschränkung des Weidegangs.

Beim Heu gilt laut Oregon State University ein NSC-Gehalt unter 10 Prozent als sicher, den Wert liefert eine Heuanalyse. Einweichen hilft: 60 Minuten in lauwarmem Wasser nehmen 30 bis 35 Prozent des löslichen Zuckers heraus. Danach Wasser abgießen und Heu abspülen.

Bewegung verbessert laut Merck die Insulinempfindlichkeit, bei einem Pferd mit EMS aber erst, wenn die Rehe abgeheilt ist. In der britischen Studie gab es außerdem mehr Rehefälle, wenn zwischen zwei Terminen beim Hufschmied mehr als acht Wochen lagen.

Frühere Rehe beim Pferdekauf

Wer schon einmal Rehe hatte, bekommt sie leichter wieder. Die Autoren der britischen Studie sehen übereinstimmende Belege für drei Risikofaktoren: eine frühere Rehe, Gewichtszunahme und Fühligkeit nach dem Ausschneiden oder Beschlagen. Frag den Verkäufer deshalb direkt nach früheren Schüben, Bluttests und Spezialbeschlägen.

Schau dir auch die Hufe an. Bei einer chronischen Rehe wächst das Horn an der Zehe langsamer, die Ringe in der Hufwand laufen zur Zehe hin zusammen. Weitere Hinweise sind eine verbreiterte weiße Linie und eine flache oder vorgewölbte Sohle (Merck).

Für die Ankaufsuntersuchung sieht der Röntgen-Leitfaden der Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM) von 2018 bei den Vorderhufen eine seitliche und eine schräge Aufnahme von vorn vor und empfiehlt, dafür die Eisen abzunehmen. Laufen Hufwand und Hufbein um mehr als 3 Grad auseinander, führt der Leitfaden das als Rotation. Ab 5 Grad trägt der Befund den Zusatz „Risiko“, er gilt dann als mit einem Lahmheitsrisiko behaftet.

Der Leitfaden gilt nur für lahmfreie, warmblütige Reitpferde ab drei Jahren, und die klinische Untersuchung bleibt laut GPM die wichtigste Grundlage. Siehst du Hinweise auf EMS oder PPID, etwa einen Speckhals oder bei einem älteren Pferd langes Fell, besprich mit dem Tierarzt einen Bluttest als Ergänzung. Bei EMS wird das Insulin gemessen, bei PPID das Hormon ACTH.

Häufige Fragen

Ist Hufrehe ein Notfall?

Ja. Ruf sofort den Tierarzt, stell das Pferd auf tiefe, weiche Einstreu und beweg es nicht. Nimm das Kraftfutter weg und frag am Telefon, ob du die Hufe schon kühlen sollst.

Welche Pferde bekommen besonders leicht Hufrehe?

Gefährdet sind vor allem übergewichtige Pferde und Ponys, Pferde mit Equinem Metabolischem Syndrom und ältere Pferde mit PPID. Auch ein Pferd, das schon einmal Rehe hatte, bekommt sie leichter wieder.

Hilft es, Heu einzuweichen?

Ja, Einweichen senkt den Zucker im Heu. Laut Oregon State University nehmen 60 Minuten in lauwarmem Wasser 30 bis 35 Prozent des löslichen Zuckers heraus. Als sicher gilt Heu, dessen NSC-Gehalt laut Analyse unter 10 Prozent liegt.

Kann ich ein Pferd kaufen, das schon Rehe hatte?

Das hängt vom Einzelfall ab, das Risiko für einen neuen Schub ist aber höher. Lass bei der Ankaufsuntersuchung die Hufe röntgen, frag nach Vorgeschichte, Bluttests und Beschlag und besprich die Befunde mit dem Tierarzt.

Quellen

  1. Hufrehe (Universitäres Tierspital Zürich, Pferdekliniken)
  2. Laminitis in Horses (Merck Veterinary Manual, Brian Beasley, Stand Juni 2024)
  3. Equine Metabolic Syndrome (Merck Veterinary Manual, François-René Bertin und Ashley G. Boyle, Stand August 2025)
  4. Hypertrichosis Associated With Adenomas of the Pars Intermedia in Horses, PPID (Merck Veterinary Manual, Janice E. Kritchevsky und Joyce Carnevale, Stand Mai 2025)
  5. A horse owner's guide to pasture-associated laminitis, EM 9354 (Oregon State University Extension Service, Scott Duggan und Troy Downing, Juni 2022)
  6. Identification of modifiable factors associated with owner-reported equine laminitis in Britain using a web-based cohort study approach (Pollard, Wylie, Verheyen, Newton; BMC Veterinary Research) (12.02.2019)
  7. Röntgen-Leitfaden (2018): Leitfaden für die röntgenologische Beurteilung bei der Kaufuntersuchung des Pferdes (Gesellschaft für Pferdemedizin, gültig ab 1.1.2018)
  8. Titelfoto: Montanabw, Wikimedia Commons
  9. Lizenz des Fotos: Creative Commons CC BY-SA 4.0

Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 30. September 2026.

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