Gesundheit & Therapien

Equines Asthma: Woran du es erkennst und was im Stall hilft

Hustet dein Pferd seit Wochen, steckt oft equines Asthma dahinter, früher Dämpfigkeit oder COB genannt. Was die milde von der schweren Form trennt, was gegen Heustaub hilft und was das für den Kauf bedeutet.

Equidara-Redaktion · 21. September 2026 · 5 Min. Lesezeit

Fuchsfarbenes Pferd schaut aus der oben geöffneten Tür seiner Box, links dahinter blickt ein zweites Pferd aus der Nachbarbox
Pferde in ihren Boxen an der École nationale d'équitation in Saumur. Foto: Philippe Alès, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Equines Asthma ist eine chronische Entzündung der unteren Atemwege, ausgelöst vor allem durch Staub und Schimmelsporen aus Heu und Einstreu. Typisch sind Husten, Nasenausfluss und nachlassende Leistung. Die schwere Form hieß früher Dämpfigkeit, COB oder RAO, die milde IAD. Die schwere Form bleibt ein Leben lang, lässt sich aber meist gut kontrollieren: mit weniger Staub, mehr frischer Luft und einer Behandlung, die der Tierarzt festlegt.

Mild bis mäßig oder schwer

Seit dem Konsensuspapier des American College of Veterinary Internal Medicine (ACVIM) von 2016 werden beide Formen unter dem Namen equines Asthma zusammengefasst.

Beim milden bis mäßigen Asthma hustet das Pferd seit mehr als drei Wochen gelegentlich oder bringt weniger Leistung. In Ruhe atmet es normal, daran grenzt das Konsensuspapier die Form von der schweren ab. Pferde jeden Alters können erkranken, junge häufiger. Laut dem Merck Veterinary Manual trifft es bis zu 80 Prozent der Freizeit- und Rennpferde irgendwann im Leben. Die meisten erholen sich wieder.

Beim schweren Asthma hat das Pferd auch in Ruhe Mühe beim Atmen und hustet häufig. Betroffen sind vor allem Pferde über sieben Jahre. Eine vollständige Heilung ist laut dem Universitären Tierspital Zürich nicht möglich, mit lebenslangen Änderungen in Haltung und Fütterung und mit Medikamenten lässt sich die Krankheit aber in der Regel gut kontrollieren. Das Tierspital warnt auch, dass die milde Form unbehandelt in die schwere übergehen kann.

Woran du equines Asthma erkennst

Die häufigsten Anzeichen sind:

Junge Pferde husten laut einem Merkblatt der University of Florida manchmal nur bei der Arbeit und wirken in Ruhe völlig gesund.

Beim schweren Asthma kommen angestrengte Atmung in Ruhe, geblähte Nüstern und die Dampfrinne dazu. Das ist eine Muskelleiste entlang des Rippenbogens. Sie entsteht, weil die Bauchmuskeln beim Ausatmen mitarbeiten müssen und dabei kräftiger werden. Pferde, die lange krank oder schlecht eingestellt sind, sind oft mager.

Fieber gehört normalerweise nicht dazu. Hat dein Pferd Fieber, ist es matt oder frisst schlecht, spricht das eher für einen Infekt.

Atmet dein Pferd in Ruhe schwer, bläht die Nüstern und pumpt mit dem Bauch, ruf sofort den Tierarzt. Auch bei leichtem Husten, der nicht weggeht, rät das Tierspital Zürich, früh einen Tierarzt hinzuzuziehen.

Ursachen: Heu, Einstreu und Stallluft

Bei betroffenen Pferden reagieren die Atemwege überempfindlich auf feinen Staub. Die Bronchien bilden mehr Schleim, und die Muskeln um die Atemwege ziehen sich zusammen. Im Staub stecken Schimmelpilze, Endotoxine und andere sehr feine Partikel.

Die wichtigste Quelle ist laut Konsensuspapier das Futter, vor allem Heu. Trockenes Heu erhöht das Risiko einer Entzündung in der Lunge. Dazu kommen Stroh und der Staub im geschlossenen Stall. Heu aus Rundballen gilt laut University of Florida als besonders staubig.

Die Sommerweide-Form

Eine Unterform des schweren Asthmas trifft Pferde auf der Weide, in heißem, feuchtem Klima und vor allem im Sommer. Laut Merck ist sie vor allem aus dem Südosten der USA bekannt, beschrieben wurde sie auch in Großbritannien. Vermutet werden Gräserpollen oder Pilzsporen als Auslöser. Diese Pferde stehen besser in einem staubfreien Stall und gehen nur in den kühleren Tageszeiten auf eine gemähte Weide.

So stellt der Tierarzt die Diagnose

Bei der schweren Form reichen oft Vorbericht und klinische Untersuchung. Bei der milden Form sieht man von außen wenig, deshalb braucht es weitere Tests.

Mit dem Endoskop sieht der Tierarzt, wie viel Schleim in der Luftröhre liegt. Bei der bronchoalveolären Lavage (BAL) spült er Kochsalzlösung in die tiefen Atemwege, saugt sie wieder ab und lässt die Entzündungszellen zählen. Merck nennt die BAL die Untersuchung der Wahl. Eine Probe aus der Luftröhre ist laut Konsensuspapier kein gleichwertiger Ersatz. Auch die Pferdeklinik der FU Berlin schreibt, dass die BAL bei schwer zu diagnostizierenden Fällen oft mehr bringt.

Was im Alltag hilft

Dein Pferd soll so wenig Staub wie möglich einatmen. Viele Pferde mit milder bis mäßiger Form kommen laut University of Florida allein mit Änderungen in Haltung und Fütterung aus.

Die Behandlung legt der Tierarzt fest. Meist kombiniert er diese Änderungen mit Medikamenten: Kortisonpräparate gegen die Entzündung und Mittel, die die Bronchien weiten, zum Inhalieren oder systemisch. Bronchienerweiternde Mittel allein sind laut Merck keine angemessene Behandlung.

Was equines Asthma beim Pferdekauf bedeutet

Ein Pferd mit Asthma ist nicht automatisch ungeeignet. Viele sind laut University of Florida gute Freizeit-, Gelände- oder sogar Turnierpferde, wenn der Besitzer die lebenslange Pflege mitträgt. Das Tierspital Zürich schreibt aber auch: Je schwerer die Symptome schon sind, desto schlechter die Prognose, vor allem für den Sport.

Bei einer Besichtigung kann Asthma übersehen werden. Ist die Krankheit gut kontrolliert, können die Anzeichen laut Merck sehr dezent sein. Darauf kannst du achten:

Eine AKU ist eine Momentaufnahme, wie die Vetmeduni Wien betont, und keine sichere Prognose.

Kaufst du ein Fohlen oder eine Zuchtstute, frag nach den Elterntieren. Equines Asthma hat eine erbliche Komponente: Laut University of Florida erkranken etwa 10 Prozent der Pferde mit gesunden Eltern. Sind beide Eltern betroffen, steigt der Anteil auf 44 Prozent.

Häufige Fragen

Ist equines Asthma heilbar?

Die schwere Form ist nicht heilbar, lässt sich aber mit staubarmer Haltung und Medikamenten meist gut kontrollieren. Bei der milden bis mäßigen Form erholen sich die meisten Pferde wieder. Hol früh den Tierarzt, denn unbehandelt kann die milde Form in die schwere übergehen.

Woran unterscheide ich mildes von schwerem Asthma?

Beim milden bis mäßigen Asthma hustet das Pferd gelegentlich oder bringt weniger Leistung, atmet in Ruhe aber normal. Beim schweren Asthma hat es auch in Ruhe Mühe beim Atmen, oft mit geblähten Nüstern und Dampfrinne.

Hilft es, das Heu nass zu machen?

Ja. Einweichen senkt die Belastung mit lungengängigem Staub laut ACVIM-Konsensuspapier um etwa 60 Prozent, auch Bedampfen verringert den Staub deutlich. Bei sehr empfindlichen Pferden reicht das oft nicht, dann kommen Heucobs, Pellets oder Heulage infrage.

Kann ich ein Pferd mit Asthma kaufen?

Ja, viele Pferde mit Asthma sind gute Freizeit- oder sogar Turnierpferde, wenn du die lebenslange Pflege mitträgst. Frag nach Husten und Medikamenten, lass das Pferd in der AKU unter Belastung untersuchen und vereinbare bei Verdacht eine Endoskopie mit Spülproben.

Quellen

  1. Inflammatory Airway Disease of Horses – Revised Consensus Statement, Couëtil et al. (ACVIM, Journal of Veterinary Internal Medicine) (24.01.2016)
  2. Asthma in Horses, Kara M. Lascola (Merck Veterinary Manual)
  3. Equines Asthma (RAO, COPD) (Universitäres Tierspital Zürich)
  4. Erkrankungen der oberen und tiefen Atemwege (Pferdeklinik, Freie Universität Berlin)
  5. Understanding Equine Asthma (Heaves), VM142, Sally DeNotta und Amanda M. House (University of Florida IFAS Extension)
  6. Ankaufsuntersuchung (Klinik für Pferde, Veterinärmedizinische Universität Wien)
  7. Pre-purchase exam (The Queen's Veterinary School Hospital, University of Cambridge)
  8. Titelfoto: Philippe Alès, Wikimedia Commons
  9. Lizenz des Fotos: Creative Commons CC BY-SA 4.0

Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 30. September 2026.

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