Gesundheit & Therapien

Kissing Spines beim Pferd: Röntgenbefund in der AKU richtig einordnen

Ein auffälliges Röntgenbild allein sagt nicht, ob dein Pferd Rückenschmerzen hat. Welche Anzeichen du beachten solltest und warum die klinische Untersuchung für die Einordnung wichtig ist.

Equidara-Redaktion · 17. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit

Röntgenaufnahme eines Pferderückens von der Seite: zwei Dornfortsätze berühren sich an den Spitzen (Kissing Spines)
KI-generiertes Bild · Symbolbild

Zeigt das Röntgen bei der Ankaufsuntersuchung (AKU) Veränderungen im Sinne von Kissing Spines, kannst du daraus allein nicht auf Rückenschmerzen schließen. Selbst starke Veränderungen können ohne klinische Symptome vorkommen. Für die Einordnung ist deshalb die klinische Rückenuntersuchung wesentlich. Fallen dir beim Reiten oder Satteln mögliche Schmerzzeichen auf, lass sie tierärztlich abklären.

Was Kissing Spines bedeutet

Der Begriff Kissing Spines bezeichnet Veränderungen an den Dornfortsätzen der Brust- oder Lendenwirbelsäule. Dazu gehören knöcherne Zubildungen und Auflösungen, besonders an den vorderen und hinteren Enden der Dornfortsätze. In schweren Fällen können sogenannte Pseudogelenke entstehen.

Laut dem Universitären Tierspital Zürich, der Tierklinik der Universität Zürich in der Schweiz, liegen die Veränderungen besonders häufig in der Sattellage. Sie können aber auch an den letzten Widerristwirbeln und im Lendenbereich auftreten.

Die Klinik nennt Vollblüter und Pferde mit kurzem Rücken als besonders häufig betroffen. Auch bei Dressurpferden seien die Veränderungen nicht selten. Davon zu unterscheiden sind Rückenschmerzen allgemein: Sie betreffen Sport- und Freizeitpferde gleichermaßen. Das Alter spielt dabei laut der Klinik keine wesentliche Rolle.

Was der Röntgenbefund bei der AKU aussagt

Ein Röntgenbild zeigt knöcherne Veränderungen. Ob diese Veränderungen Schmerzen verursachen, beantwortet es für sich genommen nicht. Laut dem Universitären Tierspital Zürich stimmt der radiologische Schweregrad bei Kissing Spines nur selten mit den klinischen Symptomen überein.

Für dich als Käufer bedeutet das: Setze einen auffälligen Rückenbefund nicht automatisch mit einem schmerzhaften Rücken gleich. Umgekehrt können Kissing Spines unterschiedlich starke Rückenschmerzen und eine massive Leistungsminderung verursachen. Eine eingeschränkte Rückenbeweglichkeit kann sich besonders beim Springen negativ auswirken.

Lass dir den Röntgenbefund deshalb zusammen mit dem Ergebnis der klinischen Rückenuntersuchung erklären. Für die Einordnung zählt nicht nur, was auf dem Bild zu sehen ist, sondern auch, welche Beschwerden und Untersuchungsbefunde das Pferd zeigt.

Welche Anzeichen beim Reiten auffallen können

Rückenprobleme können sich beim Reiten, im Umgang und an der Longe unterschiedlich zeigen. Das Universitäre Tierspital Zürich beschreibt unter anderem:

An der Longe können eine übertriebene Anspannung der langen Rückenmuskulatur und Schwierigkeiten beim Traben in guter Biegung auffallen.

Diese Beobachtungen sind mögliche Zeichen von Rückenproblemen, aber kein spezifischer Nachweis für Kissing Spines. Besprich solche Auffälligkeiten mit deinem Tierarzt, statt sie anhand eines einzelnen Zeichens selbst zuzuordnen.

Wie der Tierarzt den Rücken abklärt

Zur Abklärung einer Rückenerkrankung gehört laut dem Universitären Tierspital Zürich eine klinische und orthopädische Untersuchung mit besonderem Augenmerk auf den Rücken. Auch der Sattel wird genau untersucht.

Standardmäßig folgen laut der Klinik Röntgen und Ultraschall. Beide Verfahren beurteilen unterschiedliche Strukturen:

In manchen Fällen ist zusätzlich eine szintigraphische Untersuchung notwendig. Welche Untersuchungen für dein Pferd erforderlich sind, klärst du mit dem behandelnden Tierarzt.

Was bei Rückenproblemen zur Behandlung gehört

Rückenschmerzen können Verspannungen auslösen und dazu führen, dass das Pferd seine Rückenmuskulatur weniger einsetzt. Weiterer Muskelschwund kann das Rückenproblem verschlimmern. Das Universitäre Tierspital Zürich sieht deshalb einen individuell abgestimmten Plan zum Aufbau der Rückenmuskulatur durch den untersuchenden Orthopäden vor.

Auch der Sattel ist wichtig: Bei Pferden mit Rückenproblemen soll er symmetrisch, gut gepolstert und individuell passend sein. Lass die Sattelbeurteilung daher in die tierärztliche Abklärung einbeziehen.

In hochgradigen Fällen von Kissing Spines kann laut der Klinik eine Operation erwogen werden. Dabei werden einzelne oder mehrere Dornfortsätze entfernt. Ob dieser Eingriff für dein Pferd infrage kommt und was du davon erwarten kannst, muss im Einzelfall tierärztlich beurteilt werden.

Häufige Fragen

Bedeutet ein Kissing-Spines-Befund im Röntgen immer Schmerzen?

Nein. Auch starke radiologische Veränderungen können ohne klinische Symptome vorkommen. Laut dem Universitären Tierspital Zürich stimmt der radiologische Schweregrad nur selten mit den klinischen Symptomen überein.

Kann ich Kissing Spines am Verhalten beim Reiten erkennen?

Nicht sicher. Rittigkeitsprobleme, Schweifschlagen, Kopfschütteln oder wenig Schwung aus der Hinterhand können auf Rückenprobleme hinweisen. Sie sind aber kein spezifischer Nachweis für Kissing Spines und sollten tierärztlich abgeklärt werden.

Warum ist neben dem Röntgen eine klinische Untersuchung wichtig?

Nicht jede sichtbare Veränderung verursacht Schmerzen. Die klinische Rückenuntersuchung ist deshalb wesentlich, um einen Röntgenbefund richtig einzuschätzen.

Wird bei Kissing Spines immer operiert?

Nein. Eine Operation kann laut dem Universitären Tierspital Zürich in hochgradigen Fällen erwogen werden. Dabei werden einzelne oder mehrere Dornfortsätze entfernt. Ob der Eingriff für dein Pferd sinnvoll ist und was du davon erwarten kannst, beurteilt dein Tierarzt im Einzelfall.

Quellen

  1. Universitäres Tierspital Zürich – Rückenschmerzen beim Pferd: Veränderungen der Dornfortsätze und tierärztliche Abklärung. tierspital.uzh.ch
  2. Titelfoto: Jacobi, Eugen, Hoffotograf in Metz, Wikimedia Commons
  3. Lizenz des Fotos: CC BY 4.0

Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 17. Oktober 2026.

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