Fütterung & Pflege
Gutes Heu erkennen: Geruch, Farbe, Staub, Schimmel und Heuanalyse
Gutes Heu erkennst du an Farbe, Geruch und Struktur – doch erst eine Laboranalyse zeigt, ob es wirklich gesund für dein Pferd ist. So prüfst du die Qualität Schritt für Schritt.
Equidara-Redaktion · 27. September 2026 · 3 Min. Lesezeit

Ob dein Heu gesund ist, entscheidet sich nicht nur auf den ersten Blick. Eine sensorische Prüfung gibt dir wichtige Hinweise, aber für Sicherheit sorgt erst die Laboranalyse. Gutes Heu ist grün, aromatisch, weich und staubarm – und es enthält nur geringe Keimzahlen.
Sensorische Prüfung: Geruch, Farbe, Griff und Staub
Die Vetmeduni Wien beschreibt ideales Heu als in der Blüte geerntet, mit einem Stängel-Blatt-Verhältnis von etwa 65:35, grüner Farbe und aromatischem Geruch. Mit einer systematischen Sinnenprüfung nach ÖAG (1999) kannst du Gefüge, Farbe, Geruch und Verunreinigungen bewerten und das Heu in vier Güteklassen einordnen.
Geruch
Gutes Heu riecht aromatisch, blumig oder würzig – je nach Kräuteranteil. Muffiger, rauchiger, saurer oder stark erdiger Geruch zeigt Verderb oder falsche Lagerung an.
Farbe
Hell- bis dunkelgrün, auch nach längerer Lagerung noch olivgrün – so soll Heu aussehen. Ausgebleichte, graue, braune oder schwarze Stellen deuten auf Überhitzung, Schimmel oder zu späten Schnitt hin.
Struktur und Griff
Weiches Heu mit hohem Blattanteil und feinen Stängeln ist ein Qualitätsmerkmal. Viele Gräser, Kräuter und etwas Klee, dazu erhaltene Blüten und Knospen sprechen für einen frühen, schonenden Schnitt. Fühlt sich das Heu grob, strohig und blattarm an, wurde es zu spät geerntet und ist nährstoffärmer.
Staub und Verunreinigungen
Schüttle eine Handvoll Heu vor einer Lichtquelle auf. Bei guter Qualität entsteht kaum Staub. Starke Staubentwicklung weist auf Schimmelpilzsporen und Bakterien hin, die die Atemwege belasten. Erde, Steine oder Kot haben im Heu nichts zu suchen.
Schimmel und Verderb: Warnsignale
Muffiger Geruch, weiße oder graue Punkte auf den Halmen und dunkle Verfärbungen sind typische Anzeichen für Schimmelpilze. Schimmel reizt die Schleimhäute von Verdauungstrakt und Lunge und kann langfristig Allergien auslösen. Zwar sind Pilzgifte (Toxine) im Heu seltener als in Kraftfutter, doch jedes verschimmelte Heu ist ein Risiko und gehört nicht in den Trog. Auch feuchtes oder klamm wirkendes Heu ist verdächtig: Die Trockenmasse sollte über 87 % liegen, sonst droht mikrobieller Verderb.
Wann eine Heuanalyse sinnvoll ist
Eine Laboruntersuchung wird empfohlen, wenn Pferde nach der Fütterung husten, Durchfall haben oder das Heu verweigern. Auch bei unsicherer sensorischer Prüfung oder nach ungünstiger Ernte (Regen, zu späte Mahd) gibt sie Klarheit.
Mikrobiologische Untersuchung
Sie bestimmt die Keimgehalte von Bakterien, Schimmelpilzen und Hefen. Die Orientierungswerte des VDLUFA teilen die Ergebnisse in Keimzahlstufen ein:
| Keimzahlstufe | Bedeutung |
|---|---|
| I | Unbedenklich, Orientierungswerte eingehalten |
| II | Mäßig erhöht, bedenklich für Jungtiere und empfindliche Pferde |
| III | Deutlich erhöht, für Pferde nicht mehr empfohlen |
| IV | Stark überhöht, verdorben – nicht verfüttern |
Für beste Qualität (Stufe I) gelten unter anderem: verderbsanzeigende Bakterien <2 Mio KBE/g, Schimmelpilze (Feld- und Lagerpilze) <200.000 KBE/g, Hefen <150.000 KBE/g. Gutes Heu ist nie keimfrei, aber keimarm.
Nährstoffanalyse
Die Rohnährstoffanalyse (Rohfaser, Rohprotein, Energie) und die Bestimmung der Trockenmasse helfen dir, die Ration deines Pferdes anzupassen. Eine Trockenmasse unter 87 % begünstigt Verderb. Die Mineralstoffanalyse kann bei speziellen Problemen wie Fruchtbarkeitsstörungen sinnvoll sein. Für die Nährstoffbestimmung reicht meist die günstige Nah-Infrarot-Reflexionsspektroskopie (NIRS); bei extremen Qualitäten ist die nasschemische Methode genauer.
Heuprobe richtig nehmen
Damit das Ergebnis aussagekräftig ist, nimm Proben aus mehreren Ballen, auch von den äußeren Schichten. Mische das Heu in einer Wanne und entnimm etwa 500 g. Für die Mikrobiologie fülle die Probe in eine Papiertüte – kein Plastik, sonst schimmelt das Heu unter Luftabschluss.
Lagerung: So bleibt Heu gesund
Pferdeheu ist besonders anfällig für Lagerpilze, weil die Stängel oft verholzt sind und Feuchtigkeit nur langsam abgeben. Presse Heu daher locker – bei Rundballen solltest du die Hand hineinstecken können. Lagere Ballen auf Paletten, damit Luft darunter zirkuliert. In den ersten Wochen nach der Ernte nicht stapeln, damit Restfeuchte entweichen kann.
Bei gesundheitlichen Auffälligkeiten deines Pferdes ziehe immer eine Tierärztin oder einen Tierarzt hinzu.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich Schimmel im Heu ohne Labor?
Muffiger Geruch, weiße oder graue Beläge auf den Halmen und dunkle Verfärbungen sind Warnsignale. Solches Heu darf nicht verfüttert werden.
Wann ist eine Heuanalyse sinnvoll?
Wenn dein Pferd hustet, Durchfall hat oder das Heu verweigert. Auch nach ungünstiger Ernte oder wenn du dir bei der sensorischen Prüfung unsicher bist.
Was bedeuten die Keimzahlstufen in der Analyse?
Stufe I: unbedenklich. Stufe II: bedenklich für Jungtiere und empfindliche Pferde. Stufe III: für Pferde nicht mehr empfohlen. Stufe IV: verdorben, nicht verfüttern.
Wie lagere ich Heu richtig, damit es nicht schimmelt?
Luftig und auf Paletten lagern, nicht zu fest pressen. In den ersten Wochen nach der Ernte die Ballen nicht stapeln, damit Restfeuchte entweichen kann.
Quellen
- Was ist drinnen im Heu? Heuanalyse für eine sichere Pferdeernährung
- Pferdefütterung: Wie gut ist unser Heu wirklich? Teil 1: Mikrobiologie (2023)
- Heuqualitäten in der Praxis
- Heuanalysen interpretieren - Eine Einstiegshilfe
- Heu für Pferde: Qualität, Schnittzeitpunkt
- Heuqualität
- Titelfoto: Cjp24, Wikimedia Commons
- Lizenz des Fotos: CC BY-SA 3.0
Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 4. Oktober 2026.
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