Innovationen

Moderne Offenstallkonzepte: Wege, Böden und Technik sinnvoll planen

Freie Bewegung, passende Böden und Zugang zu Futter und Ruheplätzen: So planst du Gruppenhaltung und ordnest mechanische Wegekonzepte und ergänzende Automatisierung ein.

Equidara-Redaktion · 21. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Schematische Darstellung eines Paddock-Trails mit Fress- und Liegebereich
Archivbild. Foto: 4028mdk09, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

Ein moderner Offenstall braucht nicht zwingend computergesteuerte Technik. Du kannst die Wege der Pferde auch mit mechanischen Paddock-Trail-Systemen organisieren. Für die Planung zählen vor allem genug freie Bewegung, passende Böden und gut erreichbare Fress- und Liegebereiche. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) gibt dafür Empfehlungen zur Gestaltung von Ausläufen. Eine Bachelorarbeit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen beschreibt Wegekonzepte ohne Computersteuerung und ordnet ergänzende Automatisierung ein.

Freie Bewegung und Fläche zuerst planen

Nach dem DLG-Merkblatt 499 brauchen auch Pferde, die kontrolliert bewegt werden, zusätzlich freie Bewegung. Insgesamt sollen sie sich mindestens zwei Stunden am Tag frei bewegen können. Grundsätzlich empfiehlt die DLG für alle Pferde unabhängig von der Witterung mehrstündige freie Bewegung, möglichst in Gruppen. Dabei sollen alle drei Grundgangarten möglich sein.

Wenn Weide und Auslauf um dieselbe Fläche konkurrieren, rät die DLG, dem ganzjährigen, witterungsunabhängigen Auslauf den Vorzug zu geben.

Für die Größe der Fläche nennt das Merkblatt zwei Ansätze aus Deutschland. Beides sind Planungsempfehlungen, keine gesetzlichen Vorgaben:

Die Werte der TVT gehen also weiter. Ein Kleinauslauf unter 150 m² bietet laut DLG wegen seiner Größe keine freie Bewegung. Dazu zählt die DLG auch einen Einzelpaddock an einer Außenbox.

Bewegungswege ohne Computersteuerung gestalten

Die Bachelorarbeit zu mechanischen Paddock-Trails der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen untersucht Konzepte ohne computergesteuerte Technik. Sie stützt sich auf Besichtigungen von acht Referenzbetrieben, die alle derselbe Planer gebaut hat. Ihre Aussagen zu Systemwahl, Kosten und Arbeitszeit lassen sich deshalb nur eingeschränkt auf andere Betriebe übertragen. Die Arbeit beschreibt drei Wegsysteme.

Rundweg, Einweg oder gesteuerter Weg

Beim Rundwegsystem liegen die Heufressbereiche entlang des Trails verteilt. Zwischen ihnen können sich die Pferde frei bewegen.

Beim Einwegsystem liegen Fress- und Liegebereich zentral. Sie sind aber räumlich so getrennt, dass die Pferde beim Wechsel den Trail nutzen müssen.

Das gesteuerte Wegsystem ähnelt dem Einwegsystem. Hier verbindet ein Einbahntor Fress- und Liegebereich.

Nach der Bachelorarbeit hängt die Wahl des Systems von Standort, Herdengröße und persönlicher Vorliebe ab. Ergänzende automatisierte Systeme erhöhen die Investitions- und Wartungskosten. Den Arbeitszeitbedarf eines Paddock-Trails setzt die Arbeit mit dem eines Aktivstalls gleich. Arbeitszeit sparen lässt sich laut der Arbeit vor allem mit einer guten Bodenbefestigung, weil sie mehr Maschineneinsatz ermöglicht.

Die Arbeit stellt selbst fest, dass es zu Paddock-Trails bisher wenig Forschung gibt. Weiteren Forschungsbedarf sieht sie bei Bewegung, Herdenmanagement, Arbeitszeitbedarf und Kostenberechnung.

Böden und Fressplätze aufeinander abstimmen

Die DLG empfiehlt, stark genutzte Bereiche zu befestigen. Dazu gehören Auslaufzugänge, Futterraufen und Tränken. Gleichzeitig warnt sie vor zu starkem Hornabrieb, wenn der Untergrund ausschließlich fest ist.

Unterschiedlich harte und weiche Böden sowie Steigungen und Senken trainieren laut DLG den Bewegungsapparat. Außerdem sollen die Pferde sich auf unbefestigtem Boden wälzen können. Ein Auslauf, der nur aus befestigten Flächen besteht, entspricht diesen Empfehlungen also nicht.

Auch die Fütterung gehört in die Planung des Auslaufs. Die DLG sieht Raufutter im Auslauf vor, wenn die Pferde dort sonst vier Stunden oder länger nichts zu fressen hätten. Wird dort Raufutter angeboten, muss jedes Pferd stressfrei fressen können.

Schutz und Ruheplätze für die Gruppe berücksichtigen

Ergänzende Hinweise gibt der Haltungskodex der schottischen Regierung. Er gilt in Schottland, nicht in Deutschland.

Für verträgliche Gruppen in Gemeinschaftsställen verlangt der Kodex, dass jedes Tier ausreichend Zugang zu Heu, Futter und Wasser hat. Außerdem muss genug Platz sein, damit sich alle Tiere frei bewegen und gleichzeitig liegen können. Er empfiehlt, verträgliche Gruppen zusammenzustellen und besonders aggressive Tiere abzutrennen.

Ganzjährige Außenhaltung beschreibt der Kodex für manche robusten, dicht behaarten Pferde- und Ponyrassen als möglich. Voraussetzung ist Schutz vor dem vorherrschenden Wind, vor Sommersonne und Fliegen. Weniger robuste, geschorene, sehr junge oder alte Tiere brauchen unter Umständen einen Stall oder eine andere Unterkunft, die sie vor Kälte und Nässe oder großer Hitze schützt.

Für Unterkünfte empfiehlt der Kodex:

Können Pferde nicht von Weiden genommen werden, die schlammig geworden sind, brauchen sie nach dem schottischen Kodex trotzdem eine bequeme, gut entwässerte Fläche zum Stehen, Liegen, Fressen und Trinken. Für Pferde im Stall sieht er außerdem einen vorab abgesprochenen Evakuierungsplan vor, damit sie bei Feuer oder anderen Notfällen schnell ins Freie gebracht werden können.

Häufige Fragen

Braucht ein moderner Offenstall computergesteuerte Technik?

Nicht zwingend. Die Bachelorarbeit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen beschreibt mechanische Paddock-Trails ohne Computersteuerung. Ergänzende automatisierte Systeme erhöhen laut der Arbeit die Investitions- und Wartungskosten. Die Arbeit stützt sich auf acht Betriebe desselben Planers, ihre Ergebnisse lassen sich daher nur eingeschränkt verallgemeinern.

Ersetzt Reiten die freie Bewegung?

Nach dem DLG-Merkblatt 499 nicht. Auch Pferde, die kontrolliert bewegt werden, brauchen zusätzlich freie Bewegung, sodass sie sich insgesamt mindestens zwei Stunden am Tag frei bewegen können.

Wie unterscheiden sich Rundweg und Einwegsystem?

Nach der Bachelorarbeit liegen beim Rundweg die Heufressbereiche entlang des Trails verteilt. Beim Einwegsystem liegen Fress- und Liegebereich zentral, aber so getrennt, dass die Pferde beim Wechsel den Trail nutzen müssen.

Sollte der gesamte Auslauf befestigt sein?

Nein. Die DLG empfiehlt Befestigungen an stark genutzten Stellen wie Zugängen, Raufen und Tränken. Sie warnt zugleich vor zu starkem Hornabrieb durch ausschließlich feste Böden. Wälzen auf unbefestigtem Boden soll möglich sein.

Quellen

  1. Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft: DLG-Merkblatt 499 – Planungsempfehlungen zur Gestaltung von Pferdeausläufen – dlg.org (11/2024)
  2. Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen: Planungshinweise für einen mechanischen Paddock-Trail & Offenstall – hfwu.bsz-bw. (23.07.2022)
  3. Schottische Regierung: Welfare of equidae – The need for a suitable environment; Sicherheit, Entwässerung und Belüftung – gov.scot
  4. Titelfoto: 4028mdk09, Wikimedia Commons
  5. Lizenz des Fotos: CC BY-SA 3.0

Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 24. Oktober 2026.

Fachlich geprüft von Melissa Hinze, Pferdezüchterin und Pferdehändlerin, Gründerin von Equidara.

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