Gesundheit & Therapien
Herpes beim Pferd: Was EHV-1 und EHV-4 auslösen und was bei Verdacht zu tun ist
Viele Pferde tragen das Equine Herpesvirus in sich. Wir erklären die Formen von EHV-1, warum das Fieberthermometer so wichtig ist, wie du vorbeugst und was der Ausbruch in Valencia 2021 gezeigt hat.
Equidara-Redaktion · 22. September 2026 · 6 Min. Lesezeit

Das Equine Herpesvirus 1 (EHV-1) kann beim Pferd einen Atemwegsinfekt, einen Abort bei der tragenden Stute und eine neurologische Form mit Lähmungen auslösen. Das erste Anzeichen ist meist Fieber. Wenn du bei Verdacht Fieber misst, das Pferd absonderst und sofort den Tierarzt rufst, bremst du die Ausbreitung. Vorbeugen kannst du, indem du Stress gering hältst, neue Pferde erst einmal getrennt aufstellst und auf Hygiene im Stall achtest.
EHV-1 und EHV-4
Laut dem Merck Veterinary Manual gehören EHV-1 und EHV-4 zu den wichtigsten Erregern viraler Atemwegsinfekte beim Pferd. EHV-4 bleibt fast immer auf die Atemwege beschränkt. EHV-1 gelangt dagegen ins Blut und von dort ins Rückenmark oder in die Gebärmutter. Die Leitlinien der AAEP, des US-Verbands der Pferdetierärzte, beschreiben diese Formen:
- Atemwegsinfekt mit Fieber, Husten und Nasenausfluss, vor allem bei abgesetzten Fohlen und Jährlingen
- Abort, meist ab dem siebten Trächtigkeitsmonat und ohne Vorwarnung, zwei Wochen bis mehrere Monate nach der Ansteckung
- neurologische Form, die Equine Herpesvirus-Myeloenzephalopathie (EHM), mit unsicherem Gang vor allem der Hinterhand, Harnträufeln und im schweren Fall Festliegen
- selten eine Erkrankung neugeborener Fohlen, die sich im Mutterleib angesteckt haben; sie sterben meist innerhalb von drei Tagen
Nach dem Konsensuspapier des ACVIM, des US-Fachkollegiums für Innere Medizin, entwickeln etwa zehn Prozent der infizierten Pferde eine EHM, ältere Pferde häufiger.
Ansteckung und Latenz
EHV-1 verbreitet sich über Nasensekret, bei direktem Kontakt und über Tröpfchen beim Husten und Schnauben. Nach dem Untersuchungsbericht der FEI zum Ausbruch 2021 reichen solche Tröpfchen bis zu fünf Meter weit. Auch Eimer, Sattelzeug, Hände und Kleidung übertragen das Virus. Abortierte Föten und Nachgeburt enthalten besonders viel davon.
Meist stecken sich Pferde schon in den ersten Lebensmonaten an. Danach bleibt das Virus im Körper, laut ACVIM vermutlich lebenslang. Stress kann es wieder aktivieren, etwa ein Transport, das Zusammenstellen von Pferden aus verschiedenen Ställen oder Turniersport. Dann scheidet das Pferd erneut Virus aus, auch ohne selbst krank zu wirken.
Fieber kommt zuerst
Laut FEI-Bericht ist erhöhte Temperatur das häufigste frühe Anzeichen einer EHV-1-Infektion. Die AAEP spricht bei über 38,6 °C von Fieber. Es kommt oft in zwei Schüben: ein bis zwei Tage nach der Ansteckung, noch vor Husten und Nasenausfluss, und erneut nach sechs bis sieben Tagen. Manchmal ist Fieber das einzige Anzeichen. Neurologischen Ausfällen geht häufig, aber nicht immer, Fieber voraus. Die AAEP rät deshalb, bei Pferden mit Ansteckungsrisiko zweimal täglich zu messen.
Schwankt ein Pferd, tritt es mit der Hinterhand unsicher, tröpfelt Harn oder kommt es nicht mehr hoch, ruf sofort den Tierarzt.
Was du bei Verdacht im Stall tust
- Ruf den Tierarzt an. Für den PCR-Test nimmt er in der Regel einen Nasentupfer und eine Blutprobe.
- Bring das Pferd in eine abgetrennte Box oder einen eigenen Bereich, nach Möglichkeit in einen Isolierstall.
- Stopp alle Pferdebewegungen, bis die Ergebnisse vorliegen.
- Miss bei allen Pferden im Stall zweimal täglich Fieber und schreib die Werte auf.
- Nutze für jedes Pferd eigene Eimer, Halfter und eigenes Putzzeug. Wasch dir zwischen den Pferden die Hände.
Das ACVIM empfiehlt, eine Quarantäne 28 Tage nach dem letzten neuen Fall aufzuheben. Nach der AAEP beginnt diese Frist bei jedem neuen Fieber, Abort oder neurologischen Fall von vorn. Ein Medikament, das die EHM nach Beginn der Symptome nachweislich verhindert, gibt es laut ACVIM nicht. Wie behandelt wird, entscheidet der Tierarzt.
Vorbeugen im Alltag
Weil Stress das schlummernde Virus wieder aktivieren kann, rät das Merck Veterinary Manual, Stress durch Haltung und Management zu vermeiden. Als Auslöser nennt das ACVIM das Absetzen, das Zusammenstellen von Pferden aus verschiedenen Gruppen und den Transport. Verzichte also auf unnötige Fahrten, Umstallungen und Gruppenwechsel.
Neue Pferde und Pferde, die von einem Turnier oder aus einem anderen Stall zurückkommen, hältst du laut Merck 21 Tage getrennt, bevor sie zu den anderen kommen, vor allem zu tragenden Stuten. Tragende Stuten stehen nach Merck am besten als eigene Gruppe, getrennt von Absetzern, Jährlingen und Pferden, die aus dem Training kommen. Das ACVIM rät, sie für die ganze Trächtigkeit in kleine, räumlich getrennte Gruppen aufzuteilen.
Für Turnierpferde verlangt die FEI gute Hygiene jederzeit, also auch im Heimatstall und beim Transport. Halfter, Stricke, Decken, Sattelzeug und Eimer gehören danach zu einem einzigen Pferd, und jedes Pferd trinkt und frisst aus eigenen Eimern statt aus einer gemeinsamen Tränke. Im Wasser kann EHV-1 laut ACVIM bis zu 14 Tage ansteckend bleiben. Vor dem Kontakt mit einem anderen Pferd wäschst du dir die Hände. Pferde, die nicht ohnehin zusammenstehen, sollen möglichst keinen Nasenkontakt haben. Transporter und Boxen werden gereinigt und desinfiziert, bevor ein anderes Pferd sie nutzt.
Achte außerdem auf gute Lüftung. Laut FEI-Bericht steigt das Ansteckungsrisiko mit der Zahl der Pferde, die sich einen Luftraum teilen, und schlechte Belüftung verstärkt es.
Miss zweimal täglich Fieber, wenn ein Turnier, ein Transport oder ein neues Pferd ansteht. Der FEI-Bericht nennt das tägliche Messen eine wichtige Vorbeugemaßnahme, weil es früh warnt und ein fieberndes Pferd rechtzeitig abgesondert werden kann. Hat ein Pferd Fieber, stell es sofort getrennt und ruf den Tierarzt.
Was die FEI auf Turnieren vorschreibt
Für internationale Turniere gilt das Veterinärreglement der FEI in der Fassung von 2026. Der Veterinärausschuss der FEI hält strengere Hygiene- und Schutzmaßnahmen für den besten Weg, EHV-1-Ausbrüchen vorzubeugen und sie einzudämmen, so die FEI 2022. Neben den Hygieneregeln aus dem vorigen Abschnitt gilt unter anderem:
- In den drei Tagen vor der Anreise und auf dem Gelände wird zweimal täglich Fieber gemessen und in der FEI HorseApp eingetragen.
- Pferde mit mehr als 38,5 °C oder neurologischen Anzeichen werden per PCR auf EHV-1 und Influenza getestet.
- Kommt ein Pferd mit über 38,5 °C an, gelten alle Pferde aus demselben Transporter als Kontaktpferde und kommen in den Isolierstall.
- Pferde mit neurologischer EHV-1 und ihre Kontaktpferde werden nicht zugelassen.
Für nationale Turniere gelten die Regeln des jeweiligen Verbands, in Deutschland etwa die der FN.
Der Ausbruch in Valencia 2021
Am 20. Februar 2021 erfuhr die FEI, dass bei der CES Valencia Spring Tour elf Pferde Fieber hatten, noch am selben Tag waren es 20. Fiebernde Pferde standen dort aber schon am 14. Februar, und am selben Tag verließen 57 Pferde das Turnier ohne die vorgeschriebenen EU-Gesundheitszeugnisse.
Der Ausbruch begann in Zeltstallungen mit über 400 Boxen und geschlossenen Wänden, in denen die Luft schlecht zirkulierte. Die Eingangsuntersuchung lief nach Informationen der FEI nicht korrekt ab. Auf dem europäischen Festland starben 18 Pferde, bestätigte Fälle gab es in zehn Ländern. Die FEI sagte vom 1. März bis 11. April 2021 alle internationalen Turniere auf dem Festland ab. Ihr Bericht hält fest, dass nicht die Krankheit das Problem war, sondern der Umgang mit ihr. Seit 2022 ist tägliches Fiebermessen auf FEI-Turnieren weltweit Pflicht.
Kauf und Transport
Einen EHV-Test als Teil der Ankaufsuntersuchung (AKU) empfehlen weder ACVIM noch AAEP: Bei Pferden ohne Anzeichen raten beide von einem PCR-Suchtest ab. Frag stattdessen, ob es im Stall zuletzt Fieber, Aborte oder EHV-Fälle gab. Kommt das Pferd aus einem Stall, dessen EHM-Quarantäne gerade aufgehoben wurde, rät die AAEP, es 28 Tage getrennt zu halten.
Transport bedeutet Stress. Miss in den Tagen vor dem Verladen zweimal täglich Fieber, wie es die FEI vor Turnieren verlangt. Hat das Pferd Fieber, ruf den Tierarzt und verschieb die Fahrt. Wenn du einen Transport buchst, etwa über Move-your-animal, frag, ob Pferde aus anderen Ställen mitfahren.
Im neuen Stall hältst du das Pferd dann 21 Tage getrennt und misst weiter zweimal täglich Fieber.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine EHV-1-Infektion?
Das häufigste frühe Anzeichen ist Fieber, nach der AAEP über 38,6 °C. Dazu können Husten und Nasenausfluss kommen, bei der neurologischen Form ein unsicherer Gang der Hinterhand, Harnträufeln oder Festliegen. Bei Fieber mit Verdacht und bei jedem neurologischen Anzeichen rufst du sofort den Tierarzt.
Wie beuge ich EHV-1 im Stall vor?
Halte Stress gering, denn Stress kann das Virus in einem Pferd, das es in sich trägt, wieder aktivieren. Jedes Pferd bekommt eigene Eimer, Halfter und eigenes Putzzeug, du wäschst dir zwischen den Pferden die Hände und achtest auf gute Lüftung. Tragende Stuten stehen als eigene Gruppe, getrennt von den übrigen Pferden.
Was schreibt die FEI auf Turnieren gegen EHV-1 vor?
In den drei Tagen vor der Anreise und auf dem Gelände wird zweimal täglich Fieber gemessen und in der FEI HorseApp eingetragen. Pferde mit mehr als 38,5 °C oder neurologischen Anzeichen werden per PCR auf EHV-1 und Influenza getestet. Dazu kommen Hygieneregeln wie eigene Eimer und eigenes Zubehör für jedes Pferd.
Wie lange sollte ein neu gekauftes Pferd in Quarantäne?
Das Merck Veterinary Manual nennt 21 Tage, bevor ein neues Pferd zu den anderen kommt, vor allem zu tragenden Stuten. Stammt es aus einem Stall mit gerade aufgehobener EHM-Quarantäne, rät die AAEP zu 28 Tagen. Miss in dieser Zeit zweimal täglich Fieber.
Quellen
- Equine Herpesvirus Infection (Merck Veterinary Manual, Kara M. Lascola, Stand Juli 2026)
- AAEP Infectious Disease Guidelines: Equine Herpesvirus (EHV-1 & EHV-4) (American Association of Equine Practitioners)
- Updated ACVIM consensus statement on equine herpesvirus-1 (Journal of Veterinary Internal Medicine, ACVIM) (18.03.2024)
- Report into outbreak of Neurological Equine Herpes Virus (EHV-1) in Mainland Europe, Part 1 (FEI)
- FEI publishes final part of EHV-1 Report on 2021 outbreak in mainland Europe (FEI) (30.06.2022)
- FEI Veterinary Regulations 2026, gültig ab 1. Januar 2026 (FEI) (01.01.2026)
- Titelfoto: Jonathan Hutchins, Wikimedia Commons
- Lizenz des Fotos: Creative Commons CC BY-SA 2.0
Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 30. September 2026.
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