Rassen

Islandpferd: Gangarten, Charakter und Zuchtziel der FEIF

Das Islandpferd ist ein vielseitiges Reitpferd mit vier oder fünf Gangarten. Erfahre, was Tölt und Rennpass unterscheidet und welche Merkmale das Zuchtziel der FEIF beschreibt.

Equidara-Redaktion · 17. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Islandpferd
KI-generiertes Bild

Das Islandpferd ist ein vielseitiges Reitpferd für Freizeit, Reisen und Wettbewerbe. Neben Schritt, Trab und Galopp beherrscht es Tölt, viele Pferde zusätzlich Pass. Zuchtziel und Rassebeschreibung der FEIF gelten für die Rasse im Allgemeinen. Über ein einzelnes Pferd, das du kaufen möchtest, geben sie keine Zusicherung.

Herkunft und Erscheinungsbild

Laut dem Rasseporträt der FEIF stammen Islandpferde von Pferden ab, die während der Besiedlung Islands zwischen 874 und 930 auf die Insel kamen. Danach blieb der Bestand mehr als 1.000 Jahre ohne genetischen Einfluss anderer Rassen. Nach Angabe der FEIF, Stand Oktober 2026, sind in der Datenbank WorldFengur weltweit mehr als 280.000 Islandpferde registriert.

Das von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) wiedergegebene Zuchtziel nennt eine Größe von etwa 135 bis 145 Zentimetern. Es umfasst alle vorkommenden Farbvariationen und Abzeichen. Als rein gezüchtet gilt ein Islandpferd demnach, wenn sich Vater- und Mutterlinie unmittelbar bis nach Island zurückverfolgen lassen.

Die Dansk Islandshesteforening, ein Verband aus Dänemark, veröffentlicht ebenfalls die Rassebeschreibung der FEIF. Danach messen Islandpferde normalerweise 125 bis 145 Zentimeter Stockmaß, im Durchschnitt Stuten 136 und Hengste 138 Zentimeter. Ausgewachsene Islandpferde wiegen etwa 300 bis 400 Kilogramm. Die Größenspanne in dieser Fassung ist also weiter als die von der FN genannte. Für die Zucht in Deutschland verweist die FN auf das Zuchtziel in der jeweils aktuellen Fassung der FIZO.

Tölt und Rennpass: die zusätzlichen Gangarten

Nach der Rassebeschreibung verfügen praktisch alle Islandpferde neben Schritt, Trab und Galopp über Tölt. Viele beherrschen zusätzlich den sehr schnellen, fliegenden Pass. Im Sport spiegelt sich das in Viergangprüfungen ohne Pass und Fünfgangprüfungen mit Pass.

Tölt: Viertakt ohne Schwebephase

Im Tölt bleibt laut FN die Fußfolge des Schritts erhalten. Daraus entsteht eine fließende, rhythmische Bewegung. Der Reiter sitzt darin auch bei hohem Tempo bequem.

Für den sportlichen Tölt verlangt die FEIF bei den Gangprüfungen einen gleichmäßigen Viertakt ohne Schwebephase. Zu jedem Zeitpunkt haben ein oder zwei Hufe Bodenkontakt. Viertakt heißt: Die vier Hufe setzen einzeln nacheinander auf. In einer Schwebephase berührt dagegen kein Huf den Boden.

Rennpass: schnell und mit Schwebephase

Im Sport soll Pass eine deutliche Schwebephase zeigen und im Renntempo geritten werden. Die FEIF weist zugleich darauf hin, dass die Aktion der Vorderbeine einen sichtbaren Viertaktcharakter erzeugen kann. Laut FN erreicht Rennpass höchstens 50 Kilometer pro Stunde.

Auf geraden Passbahnen finden Passrennen mit fliegendem Start oder aus Startboxen statt. Dort wird auch die Passprüfung ausgetragen, die Gangqualität und Geschwindigkeit verbindet. Auf der Ovalbahn gibt es dagegen Töltprüfungen sowie Viergangprüfungen mit Schritt, Trab, Galopp und Tölt. Fünfgangprüfungen umfassen zusätzlich Pass.

Charakter, Entwicklung und Haltung

Die FEIF beschreibt Islandpferde als freundlich, unternehmungslustig, intelligent und schnell lernend. Im Allgemeinen gelten sie laut dem Rasseporträt als leicht im Umgang, mit gutem Temperament und hoher Arbeitsbereitschaft.

Das Zuchtziel in der dänischen Rassebeschreibung betont einen ruhigen, freundlichen und kooperativen Charakter. Dazu kommen Mut und Zuverlässigkeit im Umgang und beim Reiten. Zugleich lässt es unterschiedliche Typen bei Leistungswillen und Sensibilität zu. Nicht jedes Islandpferd reagiert also gleich oder zeigt denselben Arbeitswillen.

Islandpferde entwickeln sich laut Dansk Islandshesteforening langsam. Im Allgemeinen sind sie erst mit sechs oder sieben Jahren vollständig ausgewachsen. Ein langes aktives Leben von 25 bis 30 Jahren ist nach dieser Beschreibung nicht ungewöhnlich.

Die FN beschreibt das Islandpferd als genügsames, an große Herden gewöhntes Allwetter-Naturpferd. Im Herbst wächst ihm ein dichtes Fell mit langem Deckhaar. Damit eignet es sich nach dieser Beschreibung für eine ganzjährige natürliche Haltung im Freien.

FEIF und das Zuchtziel

Die FEIF hat ein Beurteilungssystem und einen Zuchtstandard eingeführt, um die Zuchtziele zu erreichen und die Rasse rein zu erhalten. Ihre Zuchtziele und Rassebeschreibung wurden laut Dansk Islandshesteforening erstmals 1970 verabschiedet. Eine überarbeitete Fassung der Zuchtziele nahm das jährliche Delegiertentreffen der FEIF 2020 an. Nach Darstellung der FN legt die FEIF international die Beurteilungs- und Selektionskriterien für die Islandpferdezucht fest und regelt die Leistungsprüfungen.

Für die Islandpferdezucht in Deutschland gilt laut FN das Zuchtziel des Ursprungszuchtgebietes Island in der jeweils aktuellen, im Zuchtregelwerk FIZO festgehaltenen und veröffentlichten Fassung. Als allgemeine Zuchterwartung nennt die FEIF ein gesundes, fruchtbares, langlebiges und robustes Reitpferd, das zugleich elegant und vielseitig ist und vier oder fünf ausgezeichnete Gangarten besitzt.

Bei Zuchtschauen soll der Körperbau funktional sein und Gesundheit sowie Haltbarkeit fördern. Die FEIF betont dabei Tragfähigkeit, natürliche Gangveranlagung und ausbalancierte Bewegung unter dem Reiter mit korrekter Körperfunktion.

Das Zuchtziel in der dänischen Rassebeschreibung will außerdem alle möglichen Farben innerhalb der Rasse erhalten. Es nennt jedoch eine Einschränkung: Manche Farbvariationen können mit genetischen oder körperlichen Defekten verbunden sein, die vermieden werden sollen.

Häufige Fragen

Hat jedes Islandpferd fünf Gangarten?

Nein. Laut der von der Dansk Islandshesteforening veröffentlichten Rassebeschreibung der FEIF verfügen praktisch alle Islandpferde neben Schritt, Trab und Galopp über Tölt. Viele beherrschen zusätzlich den fliegenden Pass, aber nicht alle.

Was unterscheidet Tölt vom Rennpass?

Die FEIF verlangt im sportlichen Tölt einen gleichmäßigen Viertakt ohne Schwebephase. Pass soll im Sport dagegen eine deutliche Schwebephase haben und im Renntempo geritten werden.

Welche Aufgabe hat die FEIF in der Islandpferdezucht?

Laut der Deutschen Reiterlichen Vereinigung legt die FEIF international die Beurteilungs- und Selektionskriterien der Islandpferdezucht fest und regelt die Leistungsprüfungen.

Wann ist ein Islandpferd vollständig ausgewachsen?

Laut Dansk Islandshesteforening entwickeln sich Islandpferde langsam und sind im Allgemeinen erst mit sechs oder sieben Jahren vollständig ausgewachsen.

Quellen

  1. FEIF – Rasseporträt und Gangarten des Islandpferdes – feif.org
  2. FEIF – Tölt, Rennpass und Gangprüfungen – feif.org
  3. Deutsche Reiterliche Vereinigung – Islandpferd: Rassemerkmale, Verwendung und Zucht – pferdesport-deutschland.de
  4. Dansk Islandshesteforening – FEIF-Rassebeschreibung und Zuchtziel – islandshest.dk

Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 17. Oktober 2026.

Mehr zum Thema

Passend dazu