Gesundheit & Therapien

Druse beim Pferd: Ansteckung, Anzeichen und was Käufer wissen sollten

Druse ist eine hoch ansteckende Infektion der oberen Atemwege. Wir erklären Anzeichen, Ansteckungswege und stille Träger und zeigen, wie du ein neues Pferd sicher in den Stall bringst.

Equidara-Redaktion · 22. September 2026 · 6 Min. Lesezeit

Ein Pferd trinkt aus einem Tränkebecken, das an einem Holzpfosten befestigt ist
Pferd an einer automatischen Tränke. Foto: Adamantios, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

Druse ist eine hoch ansteckende bakterielle Infektion der oberen Atemwege und der Lymphknoten am Kopf. Meist beginnt sie mit Fieber, danach folgen Nasenausfluss und dicke, eitrige Lymphknoten im Kehlgang. Ohne Komplikationen ist das Pferd nach zwei bis vier Wochen wieder gesund. Etwa jedes zehnte bleibt danach aber Träger und kann andere Pferde anstecken, ohne krank zu wirken. Ein neu gekauftes Pferd kommt deshalb zuerst mindestens drei Wochen in Quarantäne, und du misst regelmäßig Fieber.

Erreger und Ansteckung

Auslöser ist das Bakterium Streptococcus equi subsp. equi (englisch strangles). Laut dem Merck Veterinary Manual erkranken daran nur Pferde, Esel und Maultiere, am schwersten Pferde zwischen einem und fünf Jahren. Nach einem Merkblatt der University of Maine tritt Druse oft dort auf, wo viele Pferde kommen und gehen, etwa auf Turnieren, Auktionen und in Pensionsställen.

Der Erreger geht auf mehreren Wegen von Pferd zu Pferd:

Nach dem Konsenspapier des American College of Veterinary Internal Medicine (ACVIM) bleibt der Erreger im Wasser vier bis sechs Wochen lebensfähig, auf Zäunen und im Boden stirbt er dagegen in ein bis drei Tagen ab.

Anzeichen

Laut ACVIM zeigen sich die ersten Anzeichen 3 bis 14 Tage nach der Ansteckung, meist Fieber und Mattigkeit. Das Merck Veterinary Manual nennt Temperaturen von 39,4 bis 41,1 °C. Dazu kommen:

Sehr große Lymphknoten engen den Rachen ein, das Pferd streckt dann Kopf und Hals und bekommt schlecht Luft. Später können die Abszesse aufbrechen und dicken, gelben Eiter abgeben, nach außen oder in die Luftsäcke. Ältere Pferde mit einer Restimmunität können laut Merck auch nur leicht erkranken, mit schleimigem Nasenausfluss, Husten und leichtem Fieber. Nach ACVIM scheiden aber auch sie Erreger aus, die jüngere Pferde schwer krank machen können.

Laut dem Pferdegesundheitsdienst der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg endet etwa ein Prozent der Fälle tödlich, bei 10 bis 20 Prozent der Pferde kommt es zu Komplikationen wie Abszessen in inneren Organen, Lungenentzündung oder der Blutfleckenkrankheit, einer Immunreaktion. Meist reichen laut ACVIM Ruhe in einem trockenen, warmen Stall und weiches, feuchtes Futter. Der Pferdegesundheitsdienst rät zu strenger Stallruhe bis mindestens fünf Tage nach dem Ende des Fiebers.

Hat dein Pferd Fieber und Nasenausfluss, ruf den Tierarzt und trenn es sofort von den anderen. Atemnot oder Schluckprobleme sind ein Notfall. Gib keine Antibiotika auf eigene Faust: Haben sich schon Abszesse gebildet, können sie laut Merck deren Reifung verzögern. Ob und wann sie nötig sind, entscheidet der Tierarzt.

Stille Träger im Luftsack

Nach dem ACVIM-Konsens bleibt bei durchschnittlich zehn Prozent der Pferde eines Ausbruchs Eiter in den Luftsäcken zurück. Er kann eindicken und feste Eitersteine (Chondroide) bilden, in denen lebende Bakterien stecken. Solche Pferde können den Erreger über Jahre immer wieder ausscheiden. Laut ACVIM stecken äußerlich gesunde Tiere womöglich mehr Pferde an als kranke mit sichtbarem Eiter. Auch wenn der Eiter abgetrocknet ist, können Pferde noch mindestens sechs Wochen ansteckend sein.

So stellt der Tierarzt Druse fest

Der Tierarzt lässt Proben per PCR oder Kultur untersuchen. Die PCR ist nach ACVIM und der Klinik für Pferde der LMU München etwa dreimal empfindlicher als die Kultur. Infrage kommen ein Tupfer oder eine Punktion aus einem Abszess, eine Nasen-Rachen-Spülprobe, die empfindlicher ist als ein Nasentupfer, und eine Luftsackspülung bei der Endoskopie.

Ganz am Anfang kann ein Test negativ sein, denn laut ACVIM ist der Erreger meist erst 24 bis 48 Stunden nach Fieberbeginn auf der Schleimhaut.

Ein Bluttest zeigt nur, dass das Pferd schon einmal Kontakt mit dem Erreger hatte, nicht ob es gerade krank oder Träger ist. Ist er positiv, rät das ACVIM zur Endoskopie der Luftsäcke mit Spülprobe.

Verdacht im Stall: Quarantäne und Hygiene

Die LMU rät, schon beim Verdacht keine Pferde mehr aufzunehmen oder abzugeben und alle Einsteller und Dienstleister zu informieren. Bei einem Ausbruch empfehlen ACVIM und LMU ein Ampelsystem:

Jede Gruppe hat eigene Eimer, eigenes Putzzeug und eigene Mistgeräte. Gemeinsame Tränken fallen weg, Eimer werden laut ACVIM täglich desinfiziert. Versorgt wird von Grün über Gelb nach Rot. Desinfiziere die Hände vor und nach jedem Pferdekontakt und wasch Kleidung und Schuhe, bevor du einen anderen Stall besuchst. Weiden, auf denen kranke Pferde standen, bleiben laut LMU vier Wochen gesperrt.

Alle Pferde ohne Krankheitszeichen misst du zweimal täglich rektal und notierst die Werte. Normal sind laut LMU 37,5 bis 38,2 °C. Ein Pferd mit Fieber wechselt in die rote Gruppe, und der Tierarzt wird informiert. Wann die Quarantäne endet, legt der Bestandstierarzt fest, laut ACVIM frühestens drei Wochen nach dem letzten abgeheilten Fall und wenn alle erkrankten Pferde negativ getestet sind.

Ein neues Pferd kommt in den Stall

Ein neues Pferd steht nach dem ACVIM-Konsens mindestens drei Wochen getrennt von den anderen, die britische Pferdeschutzorganisation Redwings nennt zwei bis drei Wochen. Gib ihm eine eigene Tränke und eigenes Zubehör, miss regelmäßig Fieber und achte auf Nasenausfluss. Redwings wertet eine Ruhetemperatur über 38,5 °C als Fieber.

Das ACVIM empfiehlt außerdem, neue Pferde auf stille Träger zu untersuchen, etwa per Luftsackendoskopie mit Spülprobe und PCR. Kläre mit deinem Tierarzt, ob ein Bluttest oder eine Untersuchung der Luftsäcke zur Ankaufsuntersuchung (AKU) dazukommen soll, und frag den Verkäufer, ob es im Stall zuletzt Druse gab.

Ein Pferd, das Druse hatte, muss kein Ausschlussgrund sein. Laut LMU sind genesene Pferde meist über mehrere Jahre zumindest teilweise immun. Ob es noch Träger ist, zeigt nur eine Untersuchung.

So beugst du Druse vor

Laut ACVIM schützt nach wie vor am besten, wer den Kontakt mit dem Erreger begrenzt. Für Turniere und andere Termine außerhalb des Stalls rät Redwings in seinem Druse-Ratgeber:

Zurück im Stall misst du regelmäßig die Ruhetemperatur. Auch Menschen tragen den Erreger weiter: Hufschmiede, Trainer und Tierärzte sollten laut Merck Schutzkleidung tragen oder sich umziehen, bevor sie in den nächsten Stall fahren.

Stille Träger scheiden den Erreger laut Redwings eher aus, wenn sie unter Stress stehen, etwa beim Transport, beim Umzug oder wenn sie neue Pferde kennenlernen. Ein frisch gekauftes Pferd erlebt das alles auf einmal. Die Veterinärmedizinische Universität Wien nennt Transporte und das Zusammenstellen junger Pferde unterschiedlicher Herkunft als begünstigend. Wie empfänglich ein Pferd ist, hängt laut Vetmeduni vom Zustand seines Immunsystems ab, etwa vom Alter und von anderen Erkrankungen. Die University of Maine zählt außerdem Stress durch schlechte Fütterung und Überbelegung zu den Risiken. Bedarfsgerechtes Futter, genug Platz und möglichst kurze Transporte nehmen deinem Pferd also Belastung ab.

Muss man Druse melden?

In Deutschland nicht. Laut LMU gibt es auch keine rechtliche Grundlage, einen Stall wegen Druse zu sperren. Bei der Neuregelung des Tierseuchenmelderechts, der der Bundesrat am 30. Januar 2026 zustimmte, kamen EHV-1 und die Pferdeinfluenza neu auf die Liste, Druse nicht. Die Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM) hatte die Aufnahme beantragt. Das Ministerium lehnte ab, laut GPM auch, weil Druse im EU-Tiergesundheitsrecht nicht als meldepflichtig gelistet ist.

Ob ein Ausbruch bekannt wird, liegt deshalb bei Stallbetreibern und Besitzern. Die LMU hält fest, dass Vertuschen weitere Pferde gefährden kann.

Häufige Fragen

Wie lange sollte ein neues Pferd in Quarantäne?

Nach dem ACVIM-Konsens mindestens drei Wochen, die britische Organisation Redwings nennt zwei bis drei Wochen. Miss in dieser Zeit regelmäßig Fieber und achte auf Nasenausfluss. Eine Ruhetemperatur über 38,5 °C gilt laut Redwings als Fieber.

Kann ein gesund wirkendes Pferd Druse übertragen?

Ja. Laut ACVIM behalten im Schnitt zehn Prozent der Pferde eines Ausbruchs Eiter in den Luftsäcken und können den Erreger über Jahre immer wieder ausscheiden. Solche Träger findet der Tierarzt mit einer Luftsackspülung und PCR.

Wie schütze ich mein Pferd auf Turnieren vor Druse?

Die britische Organisation Redwings rät: kein direkter Kontakt zu fremden Pferden, nur eigenes Zubehör, eigenes Futter und Wasser von zu Hause und keine Gemeinschaftstränken. Fass fremde Pferde nicht an oder wasch dir danach die Hände. Zurück im Stall misst du regelmäßig die Ruhetemperatur, damit du Fieber früh bemerkst.

Ist Druse in Deutschland meldepflichtig?

Nein. Auch bei der Neuregelung des Tierseuchenmelderechts, der der Bundesrat am 30. Januar 2026 zustimmte, wurde Druse nicht aufgenommen. Laut LMU gibt es keine rechtliche Grundlage, einen Stall wegen Druse zu sperren.

Quellen

  1. Strangles in Horses (Kara M. Lascola, Merck Veterinary Manual)
  2. Facts on Strangles (Streptococcus equi) Infections in Horses, Bulletin #1009 (University of Maine Cooperative Extension)
  3. Streptococcus equi Infections in Horses: Guidelines for Treatment, Control, and Prevention of Strangles, Revised Consensus Statement (Boyle et al., ACVIM, Journal of Veterinary Internal Medicine 2018)
  4. Merkblatt des Pferdegesundheitsdienstes zur Druse des Pferdes (Tiergesundheitsdienste der Tierseuchenkasse Baden-Württemberg)
  5. Informationen zur Druse (Klinik für Pferde der LMU München) (19.07.2023)
  6. What is strangles? (Redwings Horse Sanctuary)
  7. Strangles Speak Out! Redwings guide to Strangles, 2. Auflage 2018 (Redwings Horse Sanctuary)
  8. Aktuelle Informationen zu Druse-Erkrankungen bei Pferden (Universitätsklinik für Pferde, Veterinärmedizinische Universität Wien) (11.03.2015)
  9. Bedeutung der Druse für Ministerium nicht ausreichend (Gesellschaft für Pferdemedizin, GPM)
  10. EHV-1 und Equines Influenzavirus zählen künftig zu den meldepflichtigen Tierseuchen (Thieme Tiermedizin) (20.02.2026)
  11. Titelfoto: Adamantios, Wikimedia Commons
  12. Lizenz des Fotos: Creative Commons CC BY-SA 3.0

Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 30. September 2026.

Mehr zum Thema

Passend dazu