Tierschutz

Illegaler Pferdehandel: Wie du Herkunft und Papiere prüfst

Behörden- und Medienberichte schildern Fälle, in denen Pferdepässe und Laborberichte manipuliert worden sein sollen. Was du bei Identität, Herkunft und Gesundheitsunterlagen prüfen kannst und was ein Verdacht noch nicht beweist.

Equidara-Redaktion · 21. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Abgleich eines Equidenpasses mit den Identitätsmerkmalen eines Pferdes
KI-generiertes Bild

Prüfe beim Pferdekauf, ob der Equidenpass wirklich zum Tier gehört. Prüfe bei einem grenzüberschreitenden Transport innerhalb der EU außerdem, ob die Gesundheitsunterlagen vorliegen. Dafür sind die Chipkontrolle, der Abgleich des Abzeichendiagramms und das TRACES-Zeugnis wichtig. Das österreichische Verbrauchergesundheitsportal nennt fehlende TRACES-Zeugnisse und eine unklare Zuordnung des Passes als Anhaltspunkte für Betrugsverdacht. Ein solcher Anhaltspunkt ist noch kein Beweis für eine Fälschung.

Was du vor dem Kauf prüfen kannst

Das österreichische Verbrauchergesundheitsportal beschreibt Identitätskontrollen und Begleitdokumente für Pferdekäufe und Transporte. Die hier erläuterten Vorgaben betreffen Verbringungen innerhalb der EU.

Gehört der Pass zu diesem Pferd?

Ein vorgelegter Pass beantwortet diese Frage nicht allein. Entscheidend ist, ob er sich dem Tier eindeutig zuordnen lässt. Das Portal nennt dafür die Kontrolle des Chips und des Abzeichendiagramms. In diesem Diagramm sind die Abzeichen des Pferdes eingezeichnet.

Für deine Prüfung ergeben sich daraus diese Punkte:

Welche Unterlagen begleiten den EU-Transport?

Laut dem Portal gelten für das Verbringen und die Mitnahme von Pferden, Eseln, Zebras und deren Kreuzungen innerhalb der EU die Bestimmungen der Verordnung (EU) 2016/429. Das gilt unabhängig davon, ob der Zweck kommerziell oder privat ist.

Für diese Verbringungen nennt das Portal zwei Begleitdokumente: den Equidenpass und das TRACES-Zeugnis, das die Behörde auf Antrag ausstellt. Das Zeugnis begleitet das Tier während des gesamten Transports. Nach dieser Darstellung ist ein privater Kauf in der Regel kein Grund, die Gesundheitsbescheinigung wegzulassen. Ob für deine konkrete Verbringung Besonderheiten gelten, sagt dir das zuständige Veterinäramt.

Im TRACES-Zeugnis stehen laut Portal:

Prüfe diese Angaben zusammen mit der Identität des Pferdes. Es geht nicht nur darum, ob ein Dokument vorliegt, sondern auch darum, welches Tier, welche Herkunft und welchen Transport es beschreibt. Vor der Ausstellung kontrolliert laut Portal die Amtstierärztin oder der Amtstierarzt die Tiere, ihre Identität und die Dokumente. Transportiert werden dürfen nur gesunde, seuchenfreie und transportfähige Tiere.

Wie Unterlagen manipuliert worden sein sollen

Behörden- und Medienberichte schildern unterschiedliche Vorgehensweisen. Nicht jeder Fall ist abgeschlossen. Teils beschreiben Behörden Ermittlungsergebnisse, teils geht es um Vorwürfe, die nicht bewiesen sind.

Niederlande: veränderte Angaben zur Schlachteignung

Die niederländische Staatsanwaltschaft berichtete im April 2015 über Ermittlungen gegen einen Betrieb und dessen Eigentümer. Der Verdacht betraf Dokumentenfälschung sowie regelwidrigen Handel und Transport mit Dutzenden Pferden ohne gültige Pässe.

Nach dem mitgeteilten Verdacht kaufte der Beschuldigte auf Märkten Pferde, die nicht für den menschlichen Verzehr geeignet waren. Er soll ihre Pässe so verändert haben, dass sie auf dem Papier geeignet erschienen. Anschließend seien die Pferde exportiert und verkauft worden.

Die Staatsanwaltschaft bezeichnete gefälschte Pferdepässe als mögliche Gefahr für die Lebensmittelsicherheit. Sie sah darin außerdem eine Wettbewerbsverzerrung, weil für den menschlichen Verzehr geeignete Pferde höhere Preise erzielen als ungeeignete.

Frankreich: Beschreibung und Dokument passten nicht zusammen

Laut dem französischen Landwirtschaftsministerium begann ein Ermittlungsfall im Februar 2020 mit einer Meldung der zuständigen Behörde im Département Jura. Ein Pferd war in einen Schlachthof gebracht worden. Seine Beschreibung passte nicht zum mitgeführten Dokument.

Nach dem Bericht des Ministeriums bestätigten die Ermittlungen, dass falsche Dokumente hergestellt und verwendet wurden. Zu den untersuchten Personen gehörten ein Händler und ein Tierarzt. Vier Beschuldigte wurden laut Bericht der Justiz vorgeführt, um sie im Ermittlungsverfahren förmlich zu beschuldigen. Der Bericht beschreibt damit den Stand eines Ermittlungsverfahrens, keine Verurteilung. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt für die Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

Deutschland: mutmaßlich gefälschte Laborberichte

Der NDR berichtete über einen Prozess vor dem Landgericht in Niedersachsen. Die Staatsanwaltschaft wirft einer 59-Jährigen besonders schwere Urkundenfälschung in 335 Fällen vor, die 335 Pferde betreffen.

Die Angeklagte soll zwischen 2020 und 2023 gefälschte Laborergebnisse vorgelegt haben, um Untersuchungskosten zu sparen und Exportzertifikate des Veterinäramts des Landkreises Grafschaft Bentheim zu erhalten. Laut den vom NDR wiedergegebenen Gerichtsangaben erstattete eine Mitarbeiterin des Veterinäramts Anzeige, nachdem ihr über mehrere Jahre identische Werte in den Berichten aufgefallen waren. Der Bericht schildert den Stand während des laufenden Prozesses, also eine Anklage und keine festgestellte Schuld. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Warum auch der Gesundheitsstatus geprüft werden muss

Der Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg berichtete 2010 über Ermittlungen zu Fällen von infektiöser Anämie. Dabei hätten sich Verbindungen zu legalen und illegalen Pferdeverbringungen aus Rumänien ergeben. Pferde seien ohne die vorgeschriebenen Tiergesundheitsbescheinigungen und Untersuchungen nach Deutschland gebracht worden. Der Fall zeigt beispielhaft, warum fehlende Gesundheitsunterlagen ein Risiko sind.

Nach dieser Kreisinformation aus dem Jahr 2010 bleiben infizierte Tiere lebenslang Virusträger und können andere Einhufer anstecken. Der Landkreis empfahl, beim Kauf den Gesundheitszustand genau anzuschauen und die Dokumente auf Echtheit zu prüfen. Welche Untersuchungen für dein Pferd und seine Herkunft sinnvoll sind, besprichst du mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt. Identität, Herkunftsangaben und Gesundheitsunterlagen sind getrennte Prüfpunkte: Keiner sollte entfallen, nur weil ein anderes Dokument vorliegt.

Häufige Fragen

Reicht der Equidenpass bei einem Pferdetransport innerhalb der EU?

Für Verbringungen innerhalb der EU nennt das österreichische Verbrauchergesundheitsportal neben dem Equidenpass ein behördlich ausgestelltes TRACES-Zeugnis. Es begleitet das Tier während des gesamten Transports. Die Bestimmungen gelten laut Portal unabhängig davon, ob der Zweck privat oder kommerziell ist. Ob im Einzelfall Besonderheiten gelten, sagt dir das zuständige Veterinäramt.

Wie prüfe ich, ob der Pass zum Pferd gehört?

Das österreichische Verbrauchergesundheitsportal nennt die Chipkontrolle und den Abgleich des Abzeichendiagramms. Eine nicht eindeutige Zuordnung ist laut Portal ein Anhaltspunkt für Betrugsverdacht. Ein Beweis für eine Fälschung ist sie damit noch nicht.

Welche Angaben enthält ein TRACES-Zeugnis?

Laut dem österreichischen Verbrauchergesundheitsportal enthält es Herkunftsbetrieb, Bestimmungsort, Transportmittel, eine genaue Tierbeschreibung und den Nachweis der vorgeschriebenen Gesundheitsanforderungen.

Betreffen Fälschungen nur Pferdepässe?

Nein. In dem vom NDR beschriebenen Prozess in Niedersachsen betrifft der Vorwurf gefälschte Laborberichte, mit denen Exportzertifikate erlangt worden sein sollen. Der Bericht schildert den Stand während des laufenden Prozesses, also eine Anklage und keine festgestellte Schuld.

Quellen

  1. Österreichisches Verbrauchergesundheitsportal: Pferdekauf im Internet – Warnung; Identitätskontrolle, Gesundheitsbescheinigung und grenzüber
  2. Niederländische Staatsanwaltschaft: Ermittlungsbericht zu mutmaßlich gefälschten Pferdepässen und verschleierter Schlachteignung – prosecuti (25.04.2015)
  3. Französisches Landwirtschaftsministerium: Behördenbericht über Ermittlungen zu Pferdehandel und gefälschten Identifizierungsdokumenten – agr (13.04.2022)
  4. Landkreis Dahme-Spreewald: Vorsicht beim Kauf von Pferden – behördliche Warnung vor illegalen Verbringungen und infektiöser Anämie – dahme-s (10.12.2010)
  5. Prozess: 335 Pferde mit gefälschten Unterlagen ins Ausland verkauft? | ndr.de (13.01.2026 (genannter Sendetermin))

Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 24. Oktober 2026.

Fachlich geprüft von Melissa Hinze, Pferdezüchterin und Pferdehändlerin, Gründerin von Equidara.

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