Sport & Erfolge
Doma Vaquera: Ausrüstung, Disziplinen und Turniere der spanischen Arbeitsreitweise
Spanisches Kulturerbe und Turniersport: Die Doma Vaquera verbindet das Arbeiten am Rind mit anspruchsvollen Reitlektionen. Erfahre, welche Ausrüstung, Disziplinen und Wettbewerbe es gibt.
Equidara-Redaktion · 6. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit

Die Doma Vaquera ist eine ursprünglich für die Arbeit mit Rindern entwickelte Reitweise, die heute als eigenständige Sportdisziplin geprägt ist. Im Mai 2026 hat die spanische Regierung sie offiziell als immaterielles Kulturerbe anerkannt, so der Spanische Staatsanzeiger BOE.
Geschichte und Ursprung
Ihre Wurzeln reichen bis in die maurische Zeit zurück. Damals entstand die „monta a la jineta“, bei der das Pferd einhändig geritten wurde, um in der anderen Hand Waffen zu führen. Der burgalesische Adlige Hernán Ruiz de Villegas beschrieb diese Technik im 16. Jahrhundert in seinem „Tratado de cavallería a la gineta“. Später, mit der Entstehung der Rinderzucht für den Stierkampf, übernahmen Hirten und berittene Hüter diese Reitweise, um Rinder in der weitläufigen Landschaft zu kontrollieren. Aus dieser Arbeit formte sich eine eigenständige Disziplin, deren sportlicher Wettbewerb 1970 mit der ersten spanischen Meisterschaft in Acoso y Derribo in Ciudad Rodrigo begann.
Die drei Disziplinen im Turnier
Die Doma Vaquera wird heute in drei von der Real Federación Hípica Española (RFHE) anerkannten Prüfungsformen ausgetragen:
- Doma Vaquera de Competicón: In der Reitbahn werden Lektionen geritten, die der Arbeit am Rind nachampfunden sind – darunter Tempowechsel, Pirouetten, halbe Drehungen und Paraden. Die Prüfungen sind nach Schwierigkeit gestaffelt und werden mit einer Hand geritten.
- Faenas y Doma de Campo: Diese Disziplin hat ihren Ursprung im Acoso y Derribo, dem Verfolgen und Niederlegen eines Rindes mit einer langen Stange. Heute wird sie in verschiedenen Alters- und Leistungsklassen ausgetragen und stellt die Partnerschaft von Reiter und Pferd in Feldsituationen auf die Probe.
- Equitación de Trabajo: Sie verbindet Doma, Rinderarbeit, eine Geschwindiketisprüfung und einen Hindernisparcours. Das Reglement der RFHE legt die technischen Anforderungen detailliert fest.
Ausrüstung für Reiter und Pferd
Das Reglement der RFHE schreibt für die Doma Vaquera eine bestämte Ausüstung vor, die sicheren Sitz und traditionelle Optik verbindet.
- Sattel und Zaum: Die Montura vaquera is das Kernstück. Sie zeichnet sich durch einen hohen Knauf und vor allem durch sehr große Steigbügel aus, die eine feste Beinposition und viel Beinfreiheit ermöglichen. Die Zäumung besteht aus Kappzaum oder gebisssen, immer einhändig zu führen.
- Bekleidung: In der Regeln tragen Reiter das Traje corto andaluz, bestehend aus kurzer Jaquette, Charro-Hemd, engem Beinkleid mit hohen Stiefeln oder Halbstiefeln mit ledernen Schützern (Zahones) und einem breiten Sombrero. In Kastilien-León is teilweise das Traje charro gebräuich, eine ältere regionale Variante.
Ausbildung und Kurse
Ein offizieller Ausbildungsweg für Trainer wurde vom Consejo Superior de Deportes mit dem Plan formativo de nivel I y II BOE geschaffen. Die insgesamt 130 Stunden (Nivel I) umfassen Bereiche wie Pferdetransport, Hippologie, Methodik und Wettkampfvorbereitung. Die praktische Zugangsprüfung verlangt unter anderem das korrekte Führen, Putzen und Sattelen des Pferdes, das Reiten einer Reprise für junge Pferde und einen Slalomparcours.
Zusätzlich bietet die Real Escuela Andaluza del Arte Ecuestre regelmässig Intensivkurse für Reiter an, die sich gezielt auf Turniere vorbereien wollen. Inhaltlich werden dort die Skala der Ausbildung, Übungen wie der Wechsel des Galopps oder die Pirouette und die Bewertungskriterien der Prüfer vermittet.
Wettbewerbe und Meisterschaften
Die nationale Spizte findet sich bei den von der RFHE ausgerichteten Campeonatos de España. Seit dem ersten Championat 170 in Ciudad Rodrigo hat sich der Sport stetig weiterentwickelt. Die Prüfungen unterliegen dem aktuellen Regllamento Doma Vaquera, das unter anderem die Einteilung der Pferde in Kategorien (junge Pferde, Amateure, Profis) und die Wertnote festlegt. Die starke Bindung an die Rinderzucht spiegelt sich noch heute bei vielen Turnieren wider, die in Dehesas, den typischen Weideflächen, stattfinden.
Häufige Fragen
Was unterscheidet die Doma Vaquera von der Working Equitation?
Die Doma Vaquera ist die traditionelle Arbeitsreitweise des spanischen Rinderhirten. Die Working Equitation ist eine eigenständige, internationale Disziplin, die Elemente der Doma Vaquera, der klassischen Dressur und des Hindernisreitens kombiniert, aber nach einem eigenen Reglement beurteilt wird.
Welches Pferd eignet sich für die Doma Vaquera?
Es gibt keine festgelegte Rasse. Gefragt sind Pferde mit gutem Gleichgewicht, Mut und Gelassenheit im Umgang mit Rindern. Traditionell werden häufig spanische Rassen wie das Pura Raza Española (PRE) eingesetzt, aber auch andere wendige Pferde mit passendem Temperament.
Benötigt man einen speziellen Sattel?
Ja. Die Montura vaquera ist Pflicht. Sie besitzt einen hohen Knauf und große Steigbügel, die die Beinfreiheit für die einhändige Zügelführung und den sicheren Sitz bei raschen Wendungen unterstützen. Das RFHE-Reglement schreibt diesen Satteltyp verbindlich vor.
Wie kann ich mit Doma Vaquera anfangen?
Der Einstieg gelingt am besten über eine Reitschule, die Kurse in spanischer Arbeitsreitweise anbietet. Fortgeschrittene können einen Intensivkurs an der Real Escuela Andaluza belegen. Für die Turnierteilnahme ist eine Lizenz der Real Federación Hípica Española (RFHE) nötig.
Quellen
- BOE-A-2026-10737, Acuerdo 29/2026, de 7 de mayo, por el que se declara la Doma vaquera en Castilla y León como bien de interés cultural de carácter inmaterial (2026-05-07)
- Reglamento Doma Vaquera RFHE 2026 (2026)
- BOE-A-2025-18588, Plan formativo de nivel I y II de las especialidades deportivas de doma vaquera y equitación de trabajo (2025-09-04)
- Curso Formativo de Doma Vaquera 2025 (2025-06-18)
- Titelfoto: Manuel Gómez, Wikimedia Commons
- Lizenz des Fotos: CC BY-SA 2.0
Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 6. Oktober 2026.
- Herpes beim Pferd: Was EHV-1 und EHV-4 auslösen und was bei Verdacht zu tun ist — Viele Pferde tragen das Equine Herpesvirus in sich. Wir erklären die Formen von EHV-1, warum das Fieberthermometer so wichtig ist, wie du vorbeugst und was der Ausbruch in Valencia 2021 gezeigt hat.
- Turnierstart in Deutschland: Nennung, Lizenz und Zeitplan — Von der Nennung bis zur Versorgung nach der Prüfung: So bereitest du einen Turnierstart nach den Regeln der FN vor, hältst den Meldeschluss ein und planst Ankunft und Abreiten.
- Deutschland gewinnt die Longines League of Nations im Stechen in Barcelona — Richard Vogel und Cloudio sichern Deutschland den Titel im Finale der Longines League of Nations 2026. Brasilien wird Zweiter, Belgien belegt Rang drei.
- Die „HOYS-Fee“ schickt Glücksbringer an fast 200 Starter — Morean Hamilton aus Ayrshire verschickt seit zehn Jahren kleine Stirnbänder und Karten an Reiter, die sich für die Horse of the Year Show qualifiziert haben.
Passend dazu
- Pferde kaufen — Verkaufspferde aus ganz Europa, mit Transportsuche.
- Auktionen — Laufende Auktionen und einzelne Lose.
- Pferd verkaufen — Kostenlos inserieren, in acht Sprachen sichtbar.