Fütterung & Pflege
Kraftfutterbedarf berechnen: Was Gewicht, Arbeit und Rasse verändern
Der Energiebedarf allein ergibt noch keine Kraftfuttermenge. So ordnest du Gewicht, Rasse und Arbeitsbelastung ein und berücksichtigst die Energie aus dem Raufutter.
Equidara-Redaktion · 22. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Den Kraftfutterbedarf deines Pferdes leitest du aus seinem Energiebedarf und der Energie ab, die seine übrige Ration bereits liefert. Gewicht, Rasse und tatsächliche Arbeit bestimmen den Ausgangswert. Haltung, Wetter und Körperzustand können ihn verändern. Eine Bedarfstabelle allein sagt deshalb noch nicht, wie viele Kilogramm Kraftfutter dein Pferd braucht.
Gewicht und Rasse: den Erhaltungsbedarf bestimmen
Der Erhaltungsbedarf beschreibt die Energie und Nährstoffe, die ein Pferd für seine Körperfunktionen in Ruhe benötigt. Weitere Leistungen verursachen zusätzlichen Bedarf, erklärt der Arbeitskreis Pferd.
Das Körpergewicht geht dabei nicht einfach proportional in die Rechnung ein. Weil Wärmeabgabe und Körpermasse nicht linear zusammenhängen, bezieht die Quelle den Energiebedarf auf die metabolische Körpermasse. Dafür wird das Körpergewicht in Kilogramm mit dem Exponenten 0,75 potenziert.
Für erwachsene Pferde in der thermoneutralen Zone von −15 bis +25 °C nennt der Arbeitskreis Pferd folgende Faktoren:
| Pferdetyp | Erhaltungsbedarf in MJ ME je kg metabolischer Körpermasse und Tag |
|---|---|
| Warmblut | 0,52 |
| Vollblut | 0,64 |
| Pony | 0,4 |
| Sonstige Rassen | 0,4–0,5 |
Die Rechnung lautet: Körpergewicht in kg hoch 0,75 × passender Faktor = täglicher energetischer Erhaltungsbedarf in MJ ME. Diese Werte gelten für die genannten Bedingungen, nicht unverändert für jedes Pferd.
ME steht für umsetzbare Energie. In Deutschland werden Pferdefuttermittel seit 2014 auf dieser Energiestufe bewertet. Für den Erhaltungsstoffwechsel und zusätzliche Leistungen steht allerdings nur die Nettoenergie zur Verfügung, so der Arbeitskreis Pferd. Achte deshalb darauf, dass Bedarf und Futterwerte auf derselben Bewertungsgrundlage angegeben sind.
Arbeitsintensität: die tatsächliche Belastung einordnen
Nicht jedes gerittene Pferd fällt automatisch in die Kategorie leichte Arbeit. Der Arbeitskreis Pferd ordnet Auslauf und gemächliches, unregelmäßiges Reiten ohne längere Tempoverstärkungen noch der Erhaltung zu.
Die weiteren Kategorien beschreibt die Quelle so:
- Leichte Arbeit: ungefähr eine Stunde ruhiges Training pro Tag.
- Mittlere Arbeit: ungefähr ein bis zwei Stunden Training pro Tag mit intensiveren Phasen.
- Schwere Arbeit: täglich mehrstündige intensive Beanspruchung.
Für ein Reitpferd mit 600 kg Körpergewicht nennt die Tagesbedarfstabelle folgende Energiebedarfe:
| Belastung | Tagesbedarf in MJ ME |
|---|---|
| Erhaltung | 63–77 |
| Leichte Arbeit | 90 |
| Mittlere Arbeit | 107 |
| Schwere Arbeit | 120–150 |
Das sind Energiebedarfe, keine Kraftfuttermengen. Die Werte beziehen sich auf das genannte Körpergewicht. Der Arbeitskreis Pferd warnt davor, den Bedarf von Freizeitpferden zu überschätzen. Sinkt die Arbeit deutlich, muss auch die Nährstoffversorgung reduziert werden.
Vom Energiebedarf zur Kraftfuttermenge
Für die Berechnung brauchst du neben dem Bedarf die Futtermengen und deren Energiegehalte. Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen Frischmasse und Trockenmasse. Frischmasse bezeichnet das Futter einschließlich seines Wassers, Trockenmasse den Anteil ohne Wasser.
Bei der Futteraufnahme regelt laut dem Arbeitskreis Pferd die Trockensubstanz stärker als die Frischsubstanz, wie viel ein Pferd frisst. Eine Kilogrammangabe ohne diese Unterscheidung reicht deshalb für die Rechnung nicht aus.
Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft nennt in ihrer Tabelle diese Energiegehalte:
| Futtermittel | MJ ME je kg Trockenmasse |
|---|---|
| Heu mittlerer Qualität | 7,1 |
| Hafer | 11,1 |
| Ergänzungsfutter | 11,1 |
Die Werte gelten also nicht für das gewogene Futter einschließlich Wasser. Der Heuwert gilt für mittlere Qualität, und die Tabellenwerte beschreiben nicht automatisch dein konkretes Futter.
Die Energieberechnung läuft grundsätzlich so ab:
- Bestimme den Tagesbedarf passend zu Gewicht, Pferdetyp und Arbeit.
- Berechne die Energie der übrigen Ration aus ihrer Trockenmasse und den zugehörigen Energiegehalten.
- Ziehe diese Energie vom Tagesbedarf ab. Nur eine verbleibende Energielücke ist durch zusätzliches Futter zu decken.
- Teile die Energielücke durch den Energiegehalt des vorgesehenen Kraftfutters. Bei Angaben je Kilogramm Trockenmasse erhältst du zunächst eine Trockenmassemenge, keine Frischmassemenge.
Raufutter gehört damit in die Rechnung, bevor du eine Kraftfuttermenge festlegst. Auch die überarbeiteten DLG-Modellberechnungen zu den Nährstoffausscheidungen setzen gegenüber früheren Berechnungen eine deutlich höhere Raufutteraufnahme und einen höheren Trockenmasseeinsatz an.
Die Rechnung am einzelnen Pferd prüfen
Rasse beeinflusst nicht nur den Erhaltungsbedarf. Kleine Rassen nehmen laut Arbeitskreis Pferd pro Einheit Körpermasse mehr Futtertrockensubstanz auf als größere. Auch Arbeit erhöht die Trockensubstanzaufnahme. Gesamtaufnahme und Kraftfuttermenge sind aber nicht dasselbe: Die Quelle nennt für ein 600 kg schweres Warmblut bei unbegrenztem Futterangebot im Mittel 11,4 kg Futtertrockensubstanz täglich für Erhaltung beziehungsweise Trächtigkeit und 15,6 kg für Arbeit.
Zusätzlich sind Pferdetyp, Temperament, Alter und Haltung zu berücksichtigen. Viel Bewegung, etwa in Gruppenhaltung auf großer Fläche, erhöht den Bedarf gegenüber wenig Bewegung. Für Robustrassen nennt die Quelle Abschläge wegen ihrer besseren Isolation durch relativ mehr Unterhautfettgewebe. Nass-kalte Bedingungen erfordern Zuschläge.
Prüfe die Energieversorgung deshalb am einzelnen Pferd. Bei hohem Körperkonditionswert und Übergewichtstendenz sieht der Arbeitskreis Pferd Abschläge vor, bei der umgekehrten Situation Zuschläge. Die errechnete Menge bleibt ein Ausgangspunkt, der zu tatsächlicher Beanspruchung und Körperzustand passen muss.
Häufige Fragen
Braucht jedes gerittene Pferd eine Ration für leichte Arbeit?
Nein. Der Arbeitskreis Pferd ordnet gemächliches, unregelmäßiges Reiten ohne längere Tempoverstärkungen noch der Erhaltung zu. Ungefähr eine Stunde ruhiges Training täglich gilt dort als leichte Arbeit.
Warum beeinflusst die Rasse den Energiebedarf?
Laut Arbeitskreis Pferd haben Vollblüter einen höheren Grundumsatz als Pferde mit geringerem Bewegungsdrang wie Kaltblüter. Robustrassen sind durch relativ mehr Unterhautfettgewebe besser isoliert und erhalten deshalb Abschläge. Die Quelle nennt unterschiedliche Erhaltungsfaktoren für erwachsene Warmblüter, Vollblüter, Ponys und sonstige Rassen in der thermoneutralen Zone von −15 bis +25 °C.
Kann ich den Energiebedarf direkt in Kilogramm Hafer umrechnen?
Nicht ohne die übrige Ration einzubeziehen. Außerdem nennt die DLG den Haferwert von 11,1 MJ ME je Kilogramm Trockenmasse, nicht je Kilogramm Frischmasse.
Was ändert sich, wenn mein Pferd deutlich weniger arbeitet?
Laut Arbeitskreis Pferd muss die Nährstoffversorgung der tatsächlichen Beanspruchung folgen und bei deutlich verringerter Arbeit reduziert werden.
Quellen
- Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG): Fütterung und Nährstoffausscheidungen von Pferden – dlg.org (08/2024)
- Arbeitskreis Pferd: Bedarfszahlen für Energie und Protein nach Gewicht, Rasse und Arbeitsbelastung – ak-pferd.de
- Arbeitskreis Pferd: Bedarfszahlen für Futtermengen und Einfluss von Körpermasse und Leistung – ak-pferd.de
Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 24. Oktober 2026.
Fachlich geprüft von Melissa Hinze, Pferdezüchterin und Pferdehändlerin, Gründerin von Equidara.
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