Vergessene Heilmittel

Ringelblume beim Pferd: Salbe, Aufguss und der Blick auf Mauke

Was der Phytokodex zu Ringelblumensalbe und Aufguss beschreibt und warum Krusten, Eiter oder Lahmheit im Fesselbereich tierärztlich abgeklärt gehören.

Equidara-Redaktion · 11. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit

Ringelblume und ihre Zubereitungen zur äußeren Anwendung
Archivbild. Foto: Ermell, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Bei Schürfwunden und Scheuerstellen möchtest du die Haut deines Pferdes gut versorgen. Der Phytokodex nennt für die Ringelblume Mengen für Aufgüsse und Salben. Eine Dosierung für Pferde enthalten diese Angaben nicht. Besprich die Anwendung deshalb mit deinem Tierarzt. Bei maukeähnlichen Veränderungen mit Krusten, Eiter oder Lahmheit kommt die Abklärung der Ursache vor der Wahl eines Hausmittels.

Welche Ringelblume gemeint ist

Der Phytokodex von Krause & Pachernegg beschreibt die Ringelblume als Calendula officinalis L. Sie gehört zur Familie der Korbblütler. Gemeint ist also eine bestimmte Art, nicht jede Blume, die ähnlich aussieht.

Als verwendeten Pflanzenteil nennt der Phytokodex die Randblüten der voll entfalteten Blütenköpfchen gefüllter Zuchtformen. Das sind die Blüten am äußeren Rand des Köpfchens. Für die als „Calendulae flos“ bezeichnete Blütendroge nennt er einen Mindestgehalt von 0,40 Prozent Flavonoiden. „Droge“ bedeutet hier das getrocknete pflanzliche Ausgangsmaterial einer Zubereitung.

Die folgenden Mengen beziehen sich auf diese Blütendroge. Blütendroge, Extrakt und fertige Salbe sind unterschiedliche Zubereitungen. Ihre Mengenangaben lassen sich nicht gegeneinander austauschen.

Salbe, Aufguss und Tinktur auseinanderhalten

Welche Mengen der Phytokodex nennt

Für einen Aufguss nennt der Phytokodex etwa 1 bis 2 Gramm Blütendroge auf ungefähr 150 Milliliter Wasser. Für Salben nennt er entsprechend 2 bis 5 Gramm Droge in 100 Gramm Salbe. Diese Angaben beschreiben die Zusammensetzung der Zubereitungen.

Wenn du eine Anwendung für dein Pferd besprichst, unterscheide deshalb zwischen der Konzentration einer Zubereitung und der Menge, die auf eine Hautstelle kommen soll. Auch die Bezeichnung „Ringelblumensalbe“ allein sagt noch nicht, welche Zusammensetzung gemeint ist.

Ein Aufguss ist eine wässrige Zubereitung. Eine Tinktur ist dagegen ein alkoholischer Pflanzenauszug. Die Mengenangabe für den Aufguss ist daher kein Rezept für eine Tinktur.

Was zu den Wirkungen beschrieben wird

Laut Phytokodex förderte eine Salbe mit 5 Prozent Calendulaextrakt im Tierversuch die natürliche Regeneration und die Epithelisierung von Wunden. Epithelisierung bezeichnet die Bildung einer neuen deckenden Zellschicht. Die Tierart wird in dieser Passage nicht genannt.

Außerdem beschreibt der Phytokodex eine entzündungshemmende Wirkung von Ringelblumenstoffen, die mit Ethanol ausgezogen wurden. Untersucht wurde sie an der Rattenpfote, in einem Modell mit künstlich ausgelöster entzündlicher Schwellung. Diese Beschreibung betrifft einen Extrakt und ist keine Anleitung, eine Pferdewunde mit einer alkoholischen Tinktur zu behandeln.

Bei Mauke auf die Ursache schauen

Nicht jede krustige Hautveränderung im Fesselbereich lässt sich allein mit einer Salbe angehen. Das MSD Veterinary Manual beschreibt die Dermatophilose, eine mögliche infektiöse Ursache maukeähnlicher Veränderungen. Sie ist eine weltweit vorkommende bakterielle Hautinfektion verschiedener Tierarten. Der Erreger heißt Dermatophilus congolensis.

Besonders häufig betroffen sind laut dem Fachtext junge oder immungeschwächte Tiere sowie Tiere, die lange feucht stehen. Bei Pferden begünstigt anhaltende Nässe an den Fesseln, etwa auf nassen Ausläufen, im Stall oder auf der Weide, eine Dermatophilose der unteren Gliedmaßen. Weiße Beine sowie weißhäutige Bereiche an Lippen und Nase sind stärker betroffen.

Bei Pferden mit langem Winterfell können Haare verkleben. Es können pinselartige Haarbüschel mit Krusten oder Schorf entstehen. Unter größeren Krusten kann gelbgrüner Eiter liegen. Eine schwere Dermatophilose im Fesselbereich kann außerdem Lahmheit und Leistungseinbußen verursachen.

Gesichert wird die Diagnose laut MSD Veterinary Manual durch den Erregernachweis in Zellpräparaten, durch eine Kultur und/oder eine Hautbiopsie. Zur Behandlung nennt das Handbuch systemisch wirkende antimikrobielle Medikamente, eine örtliche Behandlung und Änderungen der Haltung, damit die Tiere trocken bleiben.

Worauf du achten solltest

Stimme Zubereitung und Anwendung mit deinem Tierarzt ab. Ein Hausmittel ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Lass Krusten mit Eiter oder eine Lahmheit im Fesselbereich tierärztlich abklären, statt sie nur als Scheuerstelle zu behandeln.

Beachte auch die Pflanzenfamilie: Der Phytokodex schließt Kreuzallergien mit anderen Korbblütlern nicht aus. Zum damaligen Stand der Quelle bezeichnet er sie aber als bisher nicht bekannt.

Als vermutete Übertragungswege der Dermatophilose nennt das MSD Veterinary Manual direkten Kontakt zwischen Tieren, eine verunreinigte Umgebung und möglicherweise stechende Insekten. Neben der einzelnen Hautstelle zählt deshalb auch das Umfeld deines Pferdes. Bei anhaltender Nässe gehört die Haltung mit auf den Prüfstand.

Häufige Fragen

Welche Mengen nennt der Phytokodex für Ringelblume?

Der Phytokodex nennt für einen Aufguss etwa 1 bis 2 Gramm Blütendroge auf ungefähr 150 Milliliter Wasser und für Salben 2 bis 5 Gramm Droge in 100 Gramm. Eine Dosierung für Pferde enthält die Passage nicht.

Kann ich die Aufgussmenge für eine Tinktur übernehmen?

Nein. Ein Aufguss ist eine wässrige Zubereitung, eine Tinktur ein alkoholischer Pflanzenauszug. Die Aufgussangabe des Phytokodex ist deshalb kein Tinkturrezept.

Wann sollte der Tierarzt maukeähnliche Stellen untersuchen?

Lass Krusten mit Eiter oder Lahmheit im Fesselbereich tierärztlich abklären. Laut MSD Veterinary Manual können solche Veränderungen bei Dermatophilose auftreten. Gesichert wird die Diagnose durch Erregernachweis in Zellpräparaten, Kultur und/oder Hautbiopsie.

Sind bei Ringelblume Kreuzallergien möglich?

Der Phytokodex schließt Kreuzallergien mit anderen Korbblütlern nicht aus. Zum damaligen Stand der Quelle bezeichnet er sie aber als bisher nicht bekannt.

Quellen

  1. Krause & Pachernegg, medizinischer Fachverlag: Phytokodex Ringelblume – Inhaltsstoffe, Pharmakologie und Zubereitungen. kup.at (2012)
  2. MSD Veterinary Manual: Dermatophilosis in Animals – tierärztlicher Fachtext zu einer möglichen infektiösen Ursache maukeähnlicher Hautveränd (02/2026)
  3. Titelfoto: Ermell, Wikimedia Commons
  4. Lizenz des Fotos: CC BY-SA 4.0

Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 11. Oktober 2026.

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