Vergessene Heilmittel
Milben beim Pferd: Schwefelblüte, Waschungen und Kalkschwefel im Check
Schwefelblüte, tägliches Waschen, Kalkschwefel: Viele Ställe setzen bei Milben an Pferdebeinen auf alte Rezepte. Wie die Rezepte angewendet werden und was der Tierarzt heute dazu einsetzt.
Equidara-Redaktion · 4. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Alte Stallrezepte gegen Milben an den Pferdebeinen setzen auf Schwefelblüte, tägliches Waschen und Kalkschwefel. Äußerliche Waschungen mit zugelassenen Antiparasitika wie Permethrin oder Selendisulfid sind heute tierärztlicher Standard. Schwefelblüte hat eine lange Überlieferung gegen Milben, Haarlinge und Läuse. Kalkschwefel ist laut Redaktion im MSD Veterinary Manual für das Pferd zugelassen, in der Zürcher Übersicht für Chorioptes bovis wird er jedoch nicht als Tierarzneimittel gelistet.
Die alte Stallweisheit im Check
Eine verbreitete Stallweisheit kombiniert Schwefelblüte, ein Läuse- und Flohmittel und tägliches Waschen. Der Gedanke dahinter: Der Schwefel soll die Haut schuppen und Milben schädigen, das Insektizid die Parasiten abtöten, das Waschen Krusten entfernen. Heute lassen sich diese drei Bausteine unterschiedlich einordnen.
Schwefelblüte ist fein gemahlener, gereinigter Schwefel. Historisch wurde Schwefel als keratolytisch, antimikrobiell und antiparasitär eingesetzt. In der Tierheilkunde galt er als Mittel gegen Milben, Haarlinge und Läuse. Ein Produktdatenblatt nennt für Großtiere eine Messerspitze pro Tag innerlich über zehn bis vierzehn Tage. Äußerlich wird Schwefelblüte im Verhältnis 1:2 mit Olivenöl verrührt und zwei- bis dreimal täglich auf betroffene Hautstellen aufgetragen. Die Mengen stammen aus dem Datenblatt eines Herstellers. Sprich die innerliche Gabe mit deinem Tierarzt ab.
Läuse- und Flohmittel aus dem Kleintierbereich sind für Pferde oft nicht zugelassen. Zugelassene Wirkstoffe gegen Chorioptes beim Pferd listet die Universität Zürich: Cypermethrin, Deltamethrin, Flumethrin und Permethrin als Spray oder Waschbehandlung, sowie Fipronil, Phoxim und Selendisulfid. Diese Mittel sind verschreibungspflichtig. Sie ersetzen kein altes Kleintiermittel aus der Stallapotheke.
Tägliches Waschen allein entfernt Krusten, tötet aber keine Milben ab. Waschen ist sinnvoll als Vorbereitung: Bei verkrusteten Stellen weichst du die Haut mit lauwarmem Wasser und milder Seife auf, entfernst die Krusten vorsichtig und behandelst dann die freiliegende Haut.
Was ist Chorioptes-Räude?
Chorioptes-Milben befallen beim Pferd vor allem die Fesselbeuge und den Kötenbehang. Typisch sind heftiges Scheuern, Stampfen und Krusten an den Beinen. Mauke dagegen ist eine bakterielle Hautentzündung, die meist nässende, übelriechende Stellen in der Fesselbeuge ohne starken Juckreiz verursacht. Häufig treten beide Erkrankungen gemeinsam auf. Dein Tierarzt unterscheidet sie mit einem Hautgeschabsel und gegebenenfalls einer bakteriellen Kultur. Ohne diese Diagnose ist nicht klar, wogegen du behandelst.
Was der Tierarzt heute einsetzt
Die wirksamste Therapie kombiniert eine systemische Wurmkur mit einer äußerlichen Behandlung und gleichzeitiger Stallhygiene. Als systemischer Wirkstoff wird Ivermectin oral als Paste eingesetzt, das gegen Sarcoptes, Psoroptes und in höherer Dosis auch gegen Chorioptes wirkt. Bei reiner Chorioptes-Räude kommt häufig Doramectin als Injektion zum Einsatz, weil es besser in die Hautoberfläche penetrieren soll. Beide Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig. Die Behandlung wird in der Regel nach zwei Wochen wiederholt, damit auch frisch geschlüpfte Larven erfasst werden.
Äußerlich werden Waschungen mit zugelassenen Antiparasitika eingesetzt. Selen-Schwefel-Shampoos, Permethrin-haltige Lösungen oder Fipronil-Sprays wirken kontaktgiftig auf die Milben. Wichtig ist, das lange Behangshaar an den Fesseln vorher zu kürzen oder ganz zu scheren, weil die Wirkstoffe sonst die Haut nicht erreichen. Plane fünf bis sieben Anwendungen im Abstand von vier bis sieben Tagen ein. Sekundärinfektionen brauchen oft zusätzlich ein Antibiotikum oder ein lokales Antimykotikum.
Die Universität Zürich empfiehlt außerdem, Kontakttiere mitzubehandeln und die Umgebung zu dekontaminieren: Stallboden, Putz- und Sattelzeug mit einem Akarizid reinigen oder thermisch behandeln. Milben können abseits des Wirts etwa zehn bis zwölf Wochen überleben.
Was ist mit Kalkschwefel?
Kalkschwefel, auch Schwefelkalkbrühe, ist ein altes Akarizid und Fungizid. Es enthält Calciumpolysulfid und wurde seit dem 19. Jahrhundert in der Landwirtschaft verwendet, gelegentlich auch in der Veterinärmedizin. Seine Wirkung beruht auf den giftigen Eigenschaften des Schwefels und der starken Alkalität der Polysulfide. In der EU ist Kalkschwefel in einigen Ländern als Pflanzenschutzwirkstoff zugelassen, aber nicht durchgehend. Für das Pferd verweist die Redaktion auf das MSD Veterinary Manual: Dort ist Kalkschwefel beim Pferd zugelassen. Die Universität Zürich listet Kalkschwefel in ihrer Übersicht gegen Chorioptes bovis beim Pferd nicht auf. Wer Kalkschwefel am Pferd einsetzen will, bespricht das mit dem Tierarzt und klärt die Zulassung für das jeweilige Präparat.
Wo die Grenzen liegen
Schwefelblüte kann die Haut reizen, wenn sie zu hoch dosiert oder zu oft aufgetragen wird. Teebaumöl ist in höherer Konzentration hautreizend und kann die Symptome verschlimmern. Kalkschwefel hat einen pH-Wert von 10 und setzt Schwefelwasserstoff frei. Das kann Haut und Atemwege reizen. Für den Turniersport gilt: Prüfe anhand der aktuellen Dopingliste deines Verbandes, ob ein Mittel erlaubt ist. Hole den Tierarzt sofort, wenn das Pferd sich blutig scheuert, großflächig kahle Stellen entwickelt, Fieber zeigt oder mehrere Pferde im Stall betroffen sind. Ein unbehandelter Milbenbefall kann chronisch werden und Sekundärinfektionen nach sich ziehen.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich Chorioptes-Räude beim Pferd?
Typisch sind starker Juckreiz, Stampfen, Scheuern an den Fesseln und Krusten. Mauke zeigt dagegen nässende, übelriechende Stellen ohne starken Juckreiz. Oft treten beide zusammen auf. Sicher unterscheidet das nur der Tierarzt mit Hautgeschabsel und gegebenenfalls bakterieller Kultur.
Darf ich Schwefelblüte innerlich geben?
Ein Herstellerdatenblatt nennt für Großtiere eine Messerspitze pro Tag über zehn bis vierzehn Tage. Sprich die innerliche Gabe vorher mit deinem Tierarzt ab.
Hilft Schwefelblüte auch gegen Mauke?
Schwefel wirkt keratolytisch, antimikrobiell und antiparasitär. Mauke ist aber eine bakterielle Hautentzündung, Milben ein Parasitenbefall. Die beiden brauchen unterschiedliche Behandlungen. Dein Tierarzt unterscheidet sie.
Wann muss der Tierarzt kommen?
Sofort, wenn das Pferd sich blutig scheuert, großflächig kahle Stellen entwickelt, Fieber zeigt oder mehrere Pferde im Stall betroffen sind. Ein unbehandelter Milbenbefall kann chronisch werden und Sekundärinfektionen nach sich ziehen.
Quellen
- AntiparasiticScout: Pferd, Pony - Chorioptes bovis (29. September 2026)
- Milben beim Pferd: Erkennen, Behandeln, Vorbeugen (29. September 2026)
- Backs Schwefelblüte 600 g (29. September 2026)
- Schwefelkalk (29. September 2026)
- Schwefel (August) (29. September 2026)
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Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 6. Oktober 2026.
- Schwefelblüte beim Pferd: die Putzkolonne des Pferdekörpers — Teil 1 der Reihe „Vergessene Heilmittel“: Was Schwefelblüte ist, wie sie innerlich und äußerlich eingesetzt wird, welche Menge sich in meiner Praxis bewährt hat und worauf du achten solltest.
- Leinsamen und Leinschleim beim Pferd: das alte Hausmittel richtig zubereiten — Leinschleim ist ein altes Hausmittel für Verdauung und Haut. Hier findest du die Zubereitung nach der Universität Zürich, die Tagesmenge für dein Pferd und worauf du achten solltest.
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