Vergessene Heilmittel
Honig beim Pferd: vom alten Hausmittel zum medizinischen Wundhonig
Honig hat eine lange Geschichte in der Wundpflege. Erfahre, was medizinischen Wundhonig auszeichnet, welche Anwendungen beschrieben sind und wann dein Pferd den Tierarzt braucht.
Equidara-Redaktion · 17. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit

Honig kann in der Wundversorgung beim Pferd unterstützend eingesetzt werden. Wichtig ist die Aufbereitung: Küchenhonig und medizinischer Wundhonig sind nicht dasselbe. Medizinischer Wundhonig wird für die Wundbehandlung sterilisiert. Bei großen Wunden und Verletzungen holst du schnellstmöglich den Tierarzt. Honig ersetzt weder die tierärztliche Behandlung noch ein gezieltes Wundmanagement.
Ein Hausmittel mit langer Geschichte
Honig ist seit Jahrtausenden als Heilmittel bekannt. Laut Pferde Fit Vital gilt eine sumerische Tontafel aus der Zeit zwischen 2100 und 2000 v. Chr. als älteste bekannte Schrift mit Honigbezug. Sie enthält Rezepte für Medikamente und Salben.
Auch in der Humanmedizin wird Honig wieder äußerlich angewendet. Der Fachartikel von vetline nennt dafür Wunden, Hautgeschwüre (Hautulzera), Verbrennungen und Wundinfektionen.
Für das Pferd nennt Pferde Fit Vital vor allem frische Verletzungen und die unterstützende Pflege von Operationswunden. Das Magazin gibt dazu die Erfahrung einer Tierärztin oder eines Tierarztes mit Manuka-Honig wieder. Narbengewebe, das an alten Wunden schon entstanden ist, lässt sich damit nicht rückgängig machen.
Was Honig in der Wunde bewirken kann
Nach Pferde Fit Vital besteht Honig etwa zu 80 Prozent aus Zucker und zu 20 Prozent aus Wasser. Seine antibakterielle Wirkung beruht laut vetline auf dem Zusammenwirken mehrerer Bestandteile: hoher Zuckergehalt, Wasserstoffperoxid, niedriger pH-Wert, Methylglyoxal und das Bienen-Eiweiß Defensin-1. Ihre Konzentrationen schwanken teilweise erheblich, je nachdem, von welchen Blüten der Honig stammt.
Der Übersichtsartikel beschreibt Honig allgemein, ohne Bezug auf eine bestimmte Tierart, als bakterienabtötend, auch gegenüber multiresistenten Wundkeimen. Außerdem nennt er abschwellende, entzündungshemmende, schmerzlindernde und wundfeuchthaltende Eigenschaften.
Bei sekundär heilenden Wunden, die sich über neu gebildetes Gewebe schließen, kann Honig laut vetline die Bildung von Blutgefäßen, Granulationsgewebe und neuer Hautschicht begünstigen. Granulationsgewebe ist neu entstehendes Wundgewebe, das die Wunde von unten auffüllt.
Vetline verweist auf Laboruntersuchungen, Untersuchungen am lebenden Organismus, klinische Fallberichte und randomisierte kontrollierte klinische Studien. Diese Ergebnisse beziehen sich auf Honig allgemein, nicht speziell auf Pferde.
Küchenhonig, Manuka-Honig und medizinischer Wundhonig
Die Bezeichnungen sagen Unterschiedliches aus. Manuka beschreibt die Herkunft des Honigs. Laut tierärztezeitung wird er in Neuseeland aus dem Nektar der Südseemyrte gewonnen. Den sogenannten Manuka-Effekt führt der Fachartikel auf Methylglyoxal, kurz MGO, zurück.
Medizinischer Wundhonig bezeichnet dagegen eine für die Wundbehandlung aufbereitete Form. Pferde Fit Vital beschreibt in einem Beitrag aus dem Jahr 2019 die Sterilisation mit Gammastrahlen. Dabei bleiben dem Magazin zufolge die für die Heilwirkung maßgeblichen Enzyme erhalten, anders als bei einer Sterilisation durch Hitze. Das Ergebnis ist laut Beitrag ein Medizinprodukt für die Wundbehandlung.
Der Unterschied zum Honig aus der Küche liegt also nicht allein in der Sorte, sondern in der medizinischen Aufbereitung. Laut vetline wurde Honig 1999 in Australien erstmals als standardisiertes Medizinprodukt zur Wundpflege zugelassen. Danach wurden Wundauflagen mit medizinischem Honig zunehmend auch in anderen Ländern verwendet, auch in Deutschland.
Wie die Anwendung beschrieben wird
Für oberflächliche Wunden beschreibt Pferde Fit Vital, den Honig direkt auf den zuvor gesäuberten Bereich aufzutragen.
Für Wunden, die sich mit einem Verband abdecken lassen, nennt das Magazin eine weitere Erfahrung aus der Praxis: Honig hält die Wunde feucht und verhindert, dass der Verband an ihr festklebt.
Auch innerhalb einer tierärztlichen Behandlung kann Manuka-Honig eingesetzt werden. Die tierärztezeitung nennt ihn als Möglichkeit für die Zeit, bis ein Antibiogramm vorliegt. Das gilt, wenn aus diagnostischen Gründen eine Tupferprobe entnommen und eine bakteriologische Untersuchung eingeleitet wurde. Ein Antibiogramm zeigt, gegen welche Antibiotika die gefundenen Bakterien empfindlich sind.
Worauf du achten solltest
Bei großen Wunden und Verletzungen am Pferd holst du schnellstmöglich den Tierarzt. Für die laufende Versorgung nennt der Verband Deutscher Tierheilpraktiker in einer Beitragsserie zur Wundversorgung diese Punkte, die eine tierärztliche Behandlung nicht ersetzen:
- Nutze bei offenen Wunden Einmalhandschuhe und sterile Kompressen. Erreger von den Händen können die Heilung verzögern.
- Beurteile die Wunde täglich. Idealerweise entscheidest du jeden Tag neu über die Versorgung, je nach Verlauf und Phase der Wundheilung.
- Vermeide übermäßiges Waschen und Reibung durch unpassendes Verbandsmaterial. Beides kann die Heilung verlängern.
Ob dein Pferd zusätzlich eine innerliche Antibiotikabehandlung braucht und welches Mittel dafür eingesetzt wird, entscheidet der Tierarzt. Laut dem Verband kann eine falsche oder unterlassene Behandlung die Heilung verzögern.
Häufige Fragen
Was unterscheidet Küchenhonig von medizinischem Wundhonig?
Pferde Fit Vital beschreibt in einem Beitrag aus dem Jahr 2019 medizinischen Wundhonig als mit Gammastrahlen sterilisiertes Medizinprodukt für die Wundbehandlung. Der Unterschied liegt in dieser medizinischen Aufbereitung.
Wie wird Honig auf eine Pferdewunde aufgetragen?
Für oberflächliche Wunden beschreibt Pferde Fit Vital das direkte Auftragen auf den zuvor gesäuberten Bereich. Bei Wunden, die sich abdecken lassen, nennt das Magazin die Anwendung unter einem Verband.
Kann Manuka-Honig alte Narben rückgängig machen?
Nein. Die von Pferde Fit Vital wiedergegebene tierärztliche Erfahrung nennt frische Verletzungen und die unterstützende Pflege von Operationswunden als Anwendungsbereiche. Vorhandenes Narbengewebe wird dadurch nicht rückgängig gemacht.
Wann muss der Tierarzt kommen?
Bei großen Wunden und Verletzungen am Pferd schnellstmöglich. Ob zusätzlich eine innerliche Antibiotikabehandlung nötig ist und welches Mittel eingesetzt wird, entscheidet der Tierarzt.
Quellen
- vetline – veterinärmedizinischer Fachartikel zur Geschichte, zu Wirkmechanismen und zur Studienlage: vetline.de (02/2014)
- Pferde Fit Vital – Magazinbeitrag zu Honig und zur Herstellung medizinischen Wundhonigs: pferdefitundvital.de (10/2019)
- tierärztezeitung – Fachartikel zur antibakteriellen Anwendung von Manuka-Honig und zur begleitenden Diagnostik: tieraerztezeitung.com
- Serie Wundversorgung beim Pferd: Störungen der Wundheilung & Zusatzmaßnahmen - Verband Deutscher Tierheilpraktiker e.V. (03/2023)
Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 17. Oktober 2026.
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