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Vielseitigkeitsreiten erklärt: So entsteht die Gesamtwertung
Dressur, Gelände und Springen ergeben eine gemeinsame Strafpunktzahl. Erfahre, wie die Teilprüfungen zusammenkommen und weshalb ihre Reihenfolge nicht immer gleich ist.
Equidara-Redaktion · 17. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Beim Vielseitigkeitsreiten werden die Ergebnisse aus Dressur, Gelände und Springen zu einer gemeinsamen Strafpunktzahl zusammengeführt. Du reitest alle drei Teilprüfungen mit demselben Pferd. Gewonnen hat, wer am Ende die wenigsten Strafpunkte hat. Das Dressurergebnis wird dafür in Minuspunkte umgerechnet. Dazu kommen die Strafpunkte aus Gelände und Springen.
Drei Teilprüfungen, ein Gesamtergebnis
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) beschreibt die Vielseitigkeit als Wettbewerb aus drei gleichwertigen Teilprüfungen. Dressur, Gelände und Springen zählen also gemeinsam für das Ergebnis. Entscheidend ist nicht, wie ein Paar in einer einzelnen Teilprüfung abschneidet, sondern welche Strafpunktzahl nach allen drei Aufgaben steht.
Laut dem Regelüberblick von Vielseitigkeitssport Deutschland kann eine Vielseitigkeit an einem, zwei oder drei Tagen stattfinden. Das Pferd bleibt in allen Teilprüfungen dasselbe. Der zeitliche Ablauf kann sich dagegen unterscheiden. Der Regelüberblick nennt kein Datum. Seine Rechenwege zeigen das Prinzip, verbindlich sind die jeweils aktuellen Regelwerke.
Die Dressur eröffnet laut FN immer die Prüfung. Nach dem Regelüberblick folgt in den meisten nationalen und wenigen internationalen Prüfungen zunächst das Springen und danach das Gelände. In den meisten internationalen Prüfungen liegt dagegen das Gelände vor dem abschließenden Springen. Eine feste Reihenfolge „Dressur, Gelände, Springen“ gilt somit nicht für jede Vielseitigkeit.
Dressur: Aus Prozenten werden Minuspunkte
Die Dressur wird laut der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) einzeln geritten. Für die Gesamtwertung wird ihr Ergebnis in eine Fehlerzahl umgerechnet. Erst dann lässt es sich mit den Fehlerzahlen der anderen Teilprüfungen addieren.
Wie das funktioniert, erläutert der Aachen-Laurensberger Rennverein für die dort beschriebene CHIO-Prüfung: Die Beurteilungen von drei Richtern ergeben einen Durchschnittswert. Diese Prozentzahl drückt die Qualität des Dressurritts aus. Anschließend wird sie von 100 abgezogen.
Der Regelüberblick von Vielseitigkeitssport Deutschland unterscheidet dabei zwei Rechnungen:
- International: 100 minus erreichte Prozentpunkte. Bei 70 Prozent entstehen 30 Minuspunkte.
- National in Deutschland: 100 minus erreichte Prozentpunkte, multipliziert mit 1,5 und auf eine Dezimalstelle gerundet. Bei 70 Prozent entstehen 45 Minuspunkte. Maßgeblich ist hier die jeweils aktuelle LPO der FN.
Damit kehrt sich die Leserichtung um: Bei der Dressur-Prozentzahl ist ein höherer Wert günstiger. Nach der Umrechnung ist eine niedrigere Fehlerzahl günstiger. Wenn du Ergebnislisten vergleichst, achte deshalb darauf, ob dort das Dressurergebnis in Prozent oder bereits in Minuspunkten steht und ob es sich um eine nationale oder internationale Prüfung handelt.
Gelände: Hindernisse und Zeit gehören zur Aufgabe
Der Geländeritt führt laut FN über eine Querfeldeinstrecke mit verschiedenen Naturhindernissen. Die Strecke muss innerhalb einer vorgegebenen Zeit geritten werden. Zeitüberschreitungen bringen Strafpunkte und können so die Gesamtwertung verändern.
Die Bestzeit ist eine aus Strecke und Tempo berechnete Vorgabe. Der Regelüberblick von Vielseitigkeitssport Deutschland nennt dafür folgende Rechnung:
- Streckenlänge in Metern × 60 ÷ vorgeschriebenes Tempo in Metern pro Minute = Bestzeit in Sekunden.
Unterscheide die Bestzeit von der tatsächlich gerittenen Zeit: Die eine ist die Vorgabe, die andere das Ergebnis des Ritts.
Springen: Weitere Strafpunkte für die gemeinsame Wertung
Das Parcoursspringen richtet sich laut FN nach den Regeln der Spezialdisziplin Springen. Seine Fehlerzahl wird mit den Ergebnissen der übrigen Teilprüfungen zusammengeführt.
Findet das Springen am Tag nach dem Gelände statt, wird laut dem Regelüberblick von Vielseitigkeitssport Deutschland vorher in einer Verfassungsprüfung beurteilt, ob das Pferd prüfungsfähig ist. Dabei wird das Pferd im Stand, im Schritt und im Trab begutachtet. Die FN beschreibt eine Verfassungsprüfung vor dem Parcoursspringen als den Regelfall.
Auch die Startreihenfolge kann sich nach dem bisherigen Punktestand richten. Für die beschriebene CHIO-Prüfung erläutert der Aachen-Laurensberger Rennverein, dass Dressur- und Springfehler zunächst addiert werden. Dieser Zwischenstand bestimmt dort die Startreihenfolge im anschließenden Gelände.
Im von der FN beschriebenen Weltmeisterschaftsmodus beginnt das abschließende Springen dagegen in umgekehrter Reihenfolge des Zwischenstandes. Der bis dahin bestplatzierte Reiter startet zuletzt. Beide Abläufe gelten nur für die jeweils beschriebenen Prüfungen.
Welche Regeln für die konkrete Prüfung zählen
Die Grundidee ist übersichtlich: Dressur umrechnen, Fehlerzahlen zusammenführen und die niedrigste Strafpunktzahl ermitteln. Für die Einzelheiten verweist Vielseitigkeitssport Deutschland ausdrücklich auf die jeweils aktuelle Leistungs-Prüfungs-Ordnung und das internationale Regelwerk. Weichen die Werte dort von denen im Regelüberblick ab, gelten die Regelwerke.
In Deutschland ist laut der FN zur Leistungs-Prüfungs-Ordnung die LPO das Regelwerk für den leistungssportlichen Turniersport. Auch Änderungen und Klarstellungen, die zwischen zwei Neuauflagen erscheinen, gehören zum gültigen Regelwerk. Außerdem können die Besonderen Bestimmungen der Landeskommissionen die Vorgaben weiter festlegen. Deshalb sind in Deutschland auch die Regelungen am jeweiligen Veranstaltungsort zu beachten.
Für internationale Vielseitigkeitsprüfungen stellt die Fédération Équestre Internationale (FEI) ihr Regelwerk sowohl als bereinigte Fassung als auch mit markierten Änderungen bereit.
Häufige Fragen
Wer gewinnt eine Vielseitigkeitsprüfung?
Nach Angaben der FN gewinnt der Teilnehmer mit der geringsten Strafpunktzahl aus den drei Teilprüfungen Dressur, Gelände und Springen.
Muss ich alle Teilprüfungen mit demselben Pferd reiten?
Ja. Laut Vielseitigkeitssport Deutschland müssen Dressur, Gelände und Springen mit ein und demselben Pferd geritten werden.
Wie werden 70 Prozent in der Dressur umgerechnet?
Das hängt von der Prüfung ab. Für die internationale Dressurwertung nennt der Regelüberblick von Vielseitigkeitssport Deutschland die Rechnung 100 minus erreichte Prozentpunkte, bei 70 Prozent also 30 Minuspunkte. Für nationale Prüfungen in Deutschland nennt er zusätzlich den Faktor 1,5 mit Rundung auf eine Dezimalstelle. Bei 70 Prozent ergibt das 45 Minuspunkte. Der Regelüberblick nennt kein Datum. Verbindlich sind die jeweils aktuelle LPO der FN und das Regelwerk der FEI.
Kommt das Gelände immer vor dem Springen?
Nein. Laut Vielseitigkeitssport Deutschland liegt in den meisten nationalen und wenigen internationalen Prüfungen das Springen vor dem Gelände. In den meisten internationalen Prüfungen kommt dagegen das Gelände vor dem abschließenden Springen. Die Dressur kommt laut FN immer zuerst.
Quellen
- Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Teilprüfungen, Ablauf und Gesamtwertung – pferdesport-deutschland.de (05.10.2026)
- Die wichtigsten Regeln im Vielseitigkeitssport – Vielseitigkeitssport Deutschland
- Aachen-Laurensberger Rennverein (CHIO Aachen): Umrechnung des Dressurergebnisses und Addition der Fehlerpunkte; veranstaltungsspezifisches A (2027)
- Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Modus und Anforderungen der Vielseitigkeit am Beispiel einer Weltmeisterschaft; nur für zeitlos übert (17.08.2026)
- Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN): Leistungs-Prüfungs-Ordnung als Grundlage nationaler Prüfungen – pferdesport-deutschland.de (14.07.2026)
- Fédération Équestre Internationale (FEI): Zugang zum internationalen Vielseitigkeitsregelwerk; maßgeblich für Dressur-, Gelände- und Springs (01.01.2026)
Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 24. Oktober 2026.
Fachlich geprüft von Melissa Hinze, Pferdezüchterin und Pferdehändlerin, Gründerin von Equidara.
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