Kaufen & Verkaufen
Pferd probereiten: Fragen stellen und einen zweiten Termin vorbereiten
Kläre den Einsatzzweck, achte auf das Verhalten beim Satteln und Aufsitzen und besprich offene Punkte vor einem zweiten Probereiten. Fachkundige Begleitung und eine Ankaufsuntersuchung gehören dazu.
Equidara-Redaktion · 13. Oktober 2026 · 3 Min. Lesezeit

Beim Probereiten klärst du, ob das Pferd zu deinem geplanten Einsatzzweck passt. Frag nach seinem Verhalten, nach bekannten gesundheitlichen Problemen und nach einer möglichen medikamentösen Behandlung. Achte auch auf das Satteln und Aufsitzen. Bei einem zweiten Termin besprichst du die Fragen, die nach dem ersten Besuch offen sind. Fachkundige Begleitung und eine Ankaufsuntersuchung sind dabei wichtig.
Welche Fragen an den Verkäufer sinnvoll sind
Passt das Pferd zu deinem Einsatzzweck?
Sag zuerst, wofür du das Pferd kaufen möchtest. Laut der Rechtsanwaltskammer Schleswig-Holstein, einer Kammer aus Deutschland, besteht das Risiko, dass sich ein Pferd nach dem Kauf für den vorgesehenen Zweck als ungeeignet erweist. Als Beispiele nennt sie ein Reitpony für ein Kind und ein Springpferd für den Turniersport.
Daran kannst du deine Fragen ausrichten:
- „Ist das Pferd für den Einsatzzweck geeignet, für den ich es kaufen möchte?“
- „Welche gesundheitlichen Probleme sind bekannt?“
- „Sind Lahmheiten oder chronische Krankheiten bekannt?“
- „Wurde das Pferd sediert oder mit Medikamenten behandelt?“
- „Sind Rückenschmerzen bekannt?“
Die Eignung für deinen Zweck ist nicht dasselbe wie der Eindruck, dass das Pferd ruhig und gesund wirkt. Nach Angaben der Kammer kann sich sein Wesen schon wenige Tage nach der Übergabe völlig ändern, auch wenn es beim Kauf lammfromm und völlig gesund erscheint.
Was ist über Satteln und Aufsitzen bekannt?
Frag ausdrücklich, ob das Pferd beim Sattelauflegen oder beim Versuch aufzusitzen schon einmal gebuckelt hat oder gestiegen ist. Die Rechtsanwaltskammer Schleswig-Holstein beschreibt solche Reaktionen bei Pferden, die sich nach der Übergabe verändern: Buckeln oder Steigen schon beim Sattelauflegen oder Aufsitzen spricht laut der Kammer häufig dafür, dass das Pferd zuvor sediert oder medikamentös behandelt wurde, etwa wegen Rückenschmerzen.
Das ist keine Diagnose für ein einzelnes Pferd. Ob gesundheitliche Gründe dahinterstecken, klärt ein Tierarzt. Die Aussage des Verkäufers und deine Beobachtung ersetzen keine tierärztliche Untersuchung.
Worauf du beim Probereiten achten kannst
Der Termin beginnt nicht erst mit dem Reiten. Schau schon beim Satteln und Aufsitzen zu, wie das Pferd reagiert.
Trenne dabei deinen Eindruck von den Angaben des Verkäufers: Wie verhält sich das Pferd bei diesem Termin? Was erzählt der Verkäufer über sein Verhalten? Gibt es offene Fragen zu einer Behandlung? Ein ruhiger Eindruck allein schließt eine spätere Veränderung des Wesens nicht aus.
Die Rechtsanwaltskammer Schleswig-Holstein rät beim Pferdekauf zu fachkundiger Begleitung. Eine Ankaufsuntersuchung durch einen Fachtierarzt bezeichnet sie als besonders wichtig. Das Probereiten ersetzt diese Untersuchung nicht.
Laut der Kammer lässt sich eine vorherige Sedierung oder medikamentöse Behandlung meist durch eine Blutprobe nachweisen. Diese Analyse gehört nicht zum Standardumfang der Ankaufsuntersuchung. Du solltest sie ausdrücklich beim Tierarzt beauftragen.
Wie du ein zweites Probereiten vorbereitest
Vereinbare den zweiten Termin mit dem Verkäufer und nenne dabei die Punkte, die nach dem ersten Besuch offen sind. Ausgangspunkt bleiben dein Einsatzzweck, das beobachtete Verhalten und die gesundheitlichen Fragen.
Für die Absprache kannst du diese Punkte bündeln:
- Sag erneut, wofür du das Pferd kaufen möchtest.
- Besprich offene Fragen zum Verhalten beim Satteln und Aufsitzen.
- Frag nach noch ungeklärten Angaben zu Krankheiten oder Behandlungen.
- Stimme die Teilnahme deiner fachkundigen Begleitung ab.
- Besprich die Ankaufsuntersuchung mit dem Tierarzt und beauftrage eine gewünschte Blutuntersuchung ausdrücklich.
Halte auch beim zweiten Termin die Fragen zur Eignung und zur Gesundheit getrennt vom guten Gefühl beim Reiten.
Unterlagen vor dem Kauf klären
In Deutschland ist ein Pferdekauf per Handschlag laut der Rechtsanwaltskammer Schleswig-Holstein theoretisch möglich. Tauchen später Mängel auf, kann daraus für den Käufer jedoch ein kaum lösbares Beweisproblem entstehen. Die Kammer empfiehlt, den Kaufvertrag vorab von einer Anwältin oder einem Anwalt prüfen zu lassen.
Lass dir das Untersuchungsprotokoll sofort nach der Untersuchung und den Kaufvertrag sofort nach der Unterzeichnung aushändigen. Die Kammer begründet diesen Rat damit, dass Lahmheiten oder chronische Krankheiten nachträglich in Unterlagen eingetragen werden können.
Häufige Fragen
Reicht ein ruhiger Eindruck beim Probereiten aus?
Nein. Laut der Rechtsanwaltskammer Schleswig-Holstein kann sich das Wesen schon wenige Tage nach der Übergabe völlig ändern, auch wenn das Pferd beim Kauf lammfromm und völlig gesund erscheint.
Was kann Buckeln beim Satteln oder Aufsitzen nach dem Kauf bedeuten?
Laut der Rechtsanwaltskammer Schleswig-Holstein spricht Buckeln oder Steigen schon beim Sattelauflegen oder Aufsitzen häufig dafür, dass das Pferd zuvor sediert oder medikamentös behandelt wurde, etwa wegen Rückenschmerzen. Die gesundheitliche Einordnung gehört zum Tierarzt.
Gehört eine Blutuntersuchung auf Medikamente zur Ankaufsuntersuchung?
Laut der Rechtsanwaltskammer Schleswig-Holstein gehört diese Analyse nicht zum Standardumfang. Eine vorherige Sedierung oder medikamentöse Behandlung lässt sich laut der Kammer meist durch eine Blutprobe nachweisen. Du solltest sie deshalb ausdrücklich beim Tierarzt beauftragen.
Was bespreche ich vor dem zweiten Probereiten?
Nenne deinen Einsatzzweck und die offenen Fragen zu Verhalten, Gesundheit und möglichen Behandlungen. Stimme außerdem die Teilnahme deiner fachkundigen Begleitung mit dem Verkäufer ab.
Quellen
- Einem geschenkten Gaul… Beim Pferdekauf Rat einholen - Rechtsanwaltskammer Schleswig-Holstein (23. April 2026)
Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 24. Oktober 2026.
Fachlich geprüft von Melissa Hinze, Pferdezüchterin und Pferdehändlerin, Gründerin von Equidara.
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