Recht & Sicherheit

Gefälschte Pferdeanzeigen erkennen: So prüfst du ein Inserat, bevor du zahlst

Das Pferd sieht perfekt aus, der Preis auch, und der Verkäufer ist gerade im Ausland. An einer selbst gebauten Beispielanzeige zeigen wir die sechs typischen Warnzeichen und wie du ein Inserat in zehn Minuten prüfst.

Equidara-Redaktion · 19. September 2026 · 4 Min. Lesezeit

Reiterin in einer Stallgasse schaut skeptisch auf ihr Handy, hinter ihr ein Pferd an der Boxentür
KI-generiertes Bild · Symbolbild

Eine gefälschte Pferdeanzeige erkennst du selten am Foto. Du erkennst sie am Ablauf: Du sollst Geld schicken, bevor du das Pferd gesehen hast. Wer nie zahlt, bevor er vor dem Pferd gestanden, den Chip ausgelesen und den Pass in der Hand gehabt hat, läuft bei fast jeder dieser Maschen ins Leere.

Die Beispielanzeige

Beispiel einer gefälschten Pferdeanzeige mit sechs nummerierten Warnzeichen
Selbst gebaute Beispielanzeige, kein echtes Inserat. Das Pferdefoto ist ein KI-Bild.

Diese Anzeige haben wir selbst gebaut. Das Pferd gibt es nicht, das Foto hat eine KI erzeugt. Der Rest ist aus Maschen zusammengesetzt, vor denen Polizei und Pferdeportale seit Jahren warnen. Die Nummern gehören zu den Markierungen im Bild.

Sechs Warnzeichen

  1. Der Preis ist zu schön. Ein ausgebildeter PRE-Hengst für 2.900 Euro. Vergleiche mit ähnlichen Pferden auf Equidara und anderen Portalen: Liegt ein Angebot weit darunter, hat der Verkäufer einen Grund, und der steht nie in der Anzeige.
  2. Der Verkäufer ist gerade im Ausland. Umzug, neue Stelle, Krankheit in der Familie. Die Geschichte erklärt, warum du das Pferd nicht besuchen kannst. Die Polizei in Schaffhausen beschrieb den Ablauf schon 2018: erst eine Anzahlung, dann Geld für den Transport, dann für eine Versicherung, das Tier kam nie.
  3. Der Transport läuft nur über „seine“ Spedition, gegen Vorkasse. Die Firma hat eine Website und antwortet schnell. Nach der ersten Zahlung kommen Versicherung, Zoll oder Quarantäne dazu. Eine seriöse Spedition suchst du dir selbst aus und bezahlst sie nicht, bevor das Pferd verladen ist.
  4. Kontakt nur über WhatsApp oder Mail, gern in einer anderen Sprache. Der Ratgeber Internetkriminalität der Polizei rät zur Vorsicht, wenn auf eine deutsche Anzeige auf Englisch oder in einer anderen Sprache geantwortet wird.
  5. Keine Besichtigung, kein Video, kein Termin. Das Pferd steht angeblich bei einem Bekannten, in Quarantäne oder schon im Transportstall.
  6. Das Foto ist perfekt oder taucht woanders auf. Früher verrieten sich KI-Bilder an verschwommenen Hufen oder Zügeln, die im Nichts enden. Neue Modelle machen solche Fehler kaum noch. Auf das Bild allein ist kein Verlass mehr, deshalb prüfst du anders.

So prüfst du ein Inserat in zehn Minuten

  1. Bild rückwärts suchen. Lade das Foto bei Google Lens oder TinEye hoch. Taucht es in einer anderen Anzeige auf, mit anderem Namen, anderem Land oder anderem Preis, ist die Sache klar.
  2. Ein Video mit Datum verlangen. Bitte um ein kurzes Video im Schritt und Trab, in dem ein Zettel mit deinem Namen und dem heutigen Datum zu sehen ist. Ein ehrlicher Verkäufer braucht dafür fünf Minuten.
  3. Pass und Chip abgleichen. Jedes Pferd in der EU hat einen Equidenpass und einen Transponder im Hals, so schreibt es die Durchführungsverordnung (EU) 2021/963 vor. Lass dir die Passseite mit der Chipnummer zeigen und lies den Chip bei der Besichtigung aus. Der Tierarzt tut das bei der Ankaufsuntersuchung ohnehin. Passt die Nummer nicht, ist es nicht das Pferd aus dem Pass.
  4. Den Verkäufer suchen. Name, Stall und Telefonnummer gehören in eine Suchmaschine. Bei Zuchtpferden kannst du beim Zuchtverband nachfragen, wer als Eigentümer eingetragen ist.
  5. Nichts vorab zahlen. Keine Anzahlung, keine Reservierungsgebühr und keine Transportkosten an Dritte, bevor du das Pferd gesehen hast.
Eine Anzahlung ist im Pferdehandel nicht ungewöhnlich, aber erst nach der Besichtigung, schriftlich und mit Quittung. Vorher ist jede Zahlung ein Risiko, das du nicht eingehen musst.

Und wenn das Pferd wirklich im Ausland steht?

Viele gute Pferde stehen in Spanien, Portugal oder den Niederlanden, und ein Kauf aus dem Ausland ist nichts Verdächtiges. Er braucht nur mehr Sorgfalt:

Schon gezahlt? Das tust du jetzt

Was Equidara tut

Bei jeder Anzeige gibt es den Knopf „Inserat melden“. Gemeldete Inserate sehen wir uns an und nehmen sie bei Verdacht offline. Im Postfach kannst du Nutzer blockieren. Wer auf Equidara ein Pferd versteigert, bestätigt vorher seinen Ausweis, und wer mitbietet, hinterlegt eine Karte und eine Kaution.

Equidara fordert dich nie per Mail, SMS oder WhatsApp auf, Geld an eine Spedition, einen Treuhanddienst oder ein fremdes Konto zu überweisen. Bekommst du so eine Nachricht mit unserem Namen, ist sie gefälscht.

Häufige Fragen

Wie erkenne ich ein KI-Bild in einer Pferdeanzeige?

Am Bild selbst oft gar nicht mehr, denn neue KI-Modelle machen kaum noch Fehler an Hufen oder Zaumzeug. Sicherer sind eine Rückwärtssuche mit Google Lens oder TinEye und ein Video, in dem ein Zettel mit deinem Namen und dem heutigen Datum zu sehen ist.

Darf ein Verkäufer eine Anzahlung verlangen?

Nach der Besichtigung ist eine Anzahlung zur Reservierung üblich. Sie sollte schriftlich vereinbart, quittiert und an den Verkäufer gezahlt werden, der im Pass und im Vertrag steht. Vor der Besichtigung zahlst du nichts.

Was mache ich, wenn ich schon überwiesen habe?

Ruf sofort deine Bank an und frag, ob sich die Überweisung zurückholen lässt. Sichere Anzeige, Chatverlauf und Kontodaten und erstatte Anzeige bei der Polizei, in den meisten Bundesländern geht das online.

Muss ein Pferd einen Pass und einen Chip haben?

Ja. In der EU braucht jedes Pferd einen Equidenpass und einen Transponder. Die Chipnummer im Pass muss zum Chip im Pferd passen; ohne Pass solltest du kein Pferd kaufen.

Quellen

  1. Polizei warnt vor Betrug beim Tierkauf (Schaffhauser Polizei), TierWelt (02.07.2018)
  2. Tierverkauf über Kleinanzeigen, Ratgeber Internetkriminalität der Polizei (21.09.2020)
  3. Durchführungsverordnung (EU) 2021/963 zur Kennzeichnung und Registrierung von Equiden (10.06.2021)

Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 30. September 2026.

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