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Zuchtschau und Stutbuchaufnahme: Ablauf, Bewertung und Zuchtpotenzial
Was wird bei einer Zuchtschau bewertet, welche Voraussetzungen gelten für die Stutbuchaufnahme und was sagt das Ergebnis über das Zuchtpotenzial aus? Zwei Verbandsverfahren dienen als Beispiele.
Equidara-Redaktion · 20. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Bei einer Zuchtschau wird beurteilt, wie gut ein Pferd dem Zuchtziel entspricht. Für die Stutbuchaufnahme gelten die Voraussetzungen des jeweiligen Verbands und Zuchtprogramms. Bewertet werden unter anderem Typ, Körperbau und Bewegung. Das Ergebnis kann dir Hinweise für den späteren Zuchteinsatz geben. Laut den Deutschen Friesenpferdezüchtern im K.F.P.S. (DFZ) gibt die Bewertung Einblick in Qualität sowie Zucht- und Sportpotenzial eines Pferdes. Die folgenden Beispiele betreffen den Bayerischen Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen und das Verfahren des DFZ für Friesenpferde.
Ablauf: Voraussetzungen, Beurteilung und Ergebnis
Vor der Aufnahme stehen die Voraussetzungen
Eine Bewertung und die Aufnahme ins Stutbuch sind nicht dasselbe. Der KFPS ist das niederländische Stammbuch für Friesenpferde, der DFZ beschreibt das Verfahren für seine Mitglieder in Deutschland. In anderen Ländern kann der Weg abweichen. Der DFZ verwendet für die Aufnahme der Friesenstuten die Begriffe Stammbuch und Stutbuch nebeneinander. Im beschriebenen Verfahren verlangt die Aufnahme ins Stammbuch eine Beurteilung durch die Körkommission. Außerdem muss der Besitzer als Mitglied im DFZ und damit auch im KFPS registriert sein.
Laut den Deutschen Friesenpferdezüchtern im K.F.P.S. müssen Friesenstuten für die Stammbuchaufnahme folgende Voraussetzungen erfüllen:
- Sie sind mindestens drei Jahre alt.
- Sie sind im Fohlenbuch registriert.
- Sie messen mindestens 154 cm am Widerrist.
Für die Entscheidung über die Aufnahme nennt der DFZ die Jury. Auf der DFZ-Zuchtschau wird geprüft, ob das Pferd die erforderliche Qualität besitzt und in welchem Umfang es dem KFPS-Zuchtziel entspricht. Die genannten Voraussetzungen gelten für dieses Verfahren, nicht pauschal für andere Rassen.
Die Bewertung wird dokumentiert
Alle Pferde, die sich im DFZ-Verfahren um die Stutbuchaufnahme bewerben, werden linear bewertet. Dabei werden einzelne Eigenschaften auf einem Formular erfasst.
Der obere Teil dieses zweiteiligen Bogens umfasst 25 Eigenschaften. Dazu gehören Kopfausdruck, Schulterlage, Rippenform, Beinqualität und Behang. Im unteren Teil stehen fünf Merkmale: Rassetyp, Bau, Beinwerk, Schritt und Trab.
Die Prämierung bei der Stutbuchaufnahme beruht auf diesem Bewertungsbogen. Die Besitzer bekommen ihn nach der Zuchtschau zugeschickt. Damit hast du nicht nur die Prämierung, sondern auch eine aufgeschlüsselte Beurteilung deines Pferdes.
Bewertungskriterien: Worauf der Verband achtet
Der Bayerische Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen beschreibt für seine Bewertungen in Bayern Kriterien für Körperbau, Gangarten und Gesamteindruck. Rassespezifische Besonderheiten richten sich nach dem jeweiligen Zuchtprogramm.
Typ und funktionaler Körperbau
Zum Typ gehören bei Stuten unter anderem Rasse- und Geschlechtstyp. Beim Körperbau betrachtet der Bayerische Zuchtverband insbesondere Kopf, Hals, Schulter, Sattellage, Rücken, Kruppe und Gliedmaßen. Er beurteilt sie danach, wie funktional sie sind und wie sie zum Gebrauchszweck beziehungsweise zum Zuchtziel passen. Wenn du die Beurteilung deiner Stute einordnest, gehört deshalb das passende Zuchtprogramm dazu.
Gangkorrektheit und Gangarten
Bei der Gangkorrektheit wünscht der Bayerische Zuchtverband einen von vorne und hinten geraden, gleichmäßigen Gang. Bügelnde oder ungerade Bewegungen sowie drehende Gelenke gelten als unerwünscht.
Für die einzelnen Gangarten beschreibt der Verband folgende Leitbilder:
- Schritt: Gewünscht sind eine taktreine, gleichmäßige Viertaktfolge und raumgreifendes, fleißiges, elastisches Schreiten im Gleichgewicht. Passartige, taktunreine, ungleichmäßige, kurze, feste oder kraftlose Bewegungen sind unerwünscht.
- Trab: Der Verband nennt unter anderem deutlichen Antritt, Zweitakt mit Kadenz, Schwung, Elastizität, Raumgriff und Gleichgewicht. Hinzu kommen aktive Hinterbeine sowie eine bergauf gerichtete Vorhand mit Schulterfreiheit. Je nach Zuchtziel gelten diese Leitbilder auch für den Tölt oder weitere Gangarten.
- Galopp: Sofern er bei der Eintragung erfasst wird, erwartet der Verband eine deutlich gesprungene Dreitaktgaloppade. Dazu gehören Kadenz, Schwung, Elastizität, Raumgriff, Gleichgewicht und Hinterbeine, die gut unter den Schwerpunkt springen.
Gesamteindruck und Gesamtnote
Beim Gesamteindruck berücksichtigt der Bayerische Zuchtverband unter anderem Leistungsbereitschaft, Ausdruck, Charakter, Temperament und altersgemäße Entwicklung. Die Gesamtnote der allgemeinen Stutenbewertung ist das arithmetische Mittel der Einzelnoten.
Für die Eintragungsbewertung von Islandpferden nennt der Verband in seinen veröffentlichten Bewertungskriterien dagegen eine Gewichtung: Interieur und Typ zählen 20 Prozent, Exterieur 30 Prozent und Gang 50 Prozent. Für Islandstuten ist dort eine Gesamtnote von mindestens 7,5 Voraussetzung für die Eintragung in das Stutbuch I. Diese Grenze ist keine allgemeine Vorgabe für alle Stuten. Maßgeblich ist immer das jeweils geltende Zuchtprogramm des Verbands.
Bedeutung für Zuchteinsatz und Anpaarung
Die Schau liefert eine Beurteilung des vorgestellten Pferdes. Die Ergebnisse können nach Einschätzung des DFZ in gewissem Umfang auch den Marktwert beeinflussen.
Für die konkrete Anpaarung ist der Bewertungsbogen wichtig: Laut DFZ unterstützt er die Auswahl eines Hengstes für die Bedeckung. Dafür stehen dir die einzelnen Merkmale zur Verfügung, nicht nur die Prämierung.
Auch die Nachkommen helfen, eine Anpaarung einzuordnen. Der DFZ empfiehlt, alle Friesenfohlen auf einer Zuchtschau vorzustellen, um die getroffene Anpaarungsentscheidung objektiv beurteilen zu können. Bewertet werden die Fohlen individuell nach Rassetyp, Bau, Entwicklung, Schritt und Trab. Die Jury kann eine erste, zweite oder dritte Prämie vergeben.
Staatsprämienanwartschaft ist noch keine Staatsprämie
Beim Bayerischen Zuchtverband benötigen auf der Landesschau ernannte Staatsprämienanwärterinnen für die Staatsprämie mindestens ein gesundes Fohlen und eine positiv beendete Leistungsprüfung. Für Kleinpferderassen unter einem Stockmaß von 87 cm entfallen laut Verband die Anforderungen an die Leistungsprüfung. Der Titel wird nur auf Antrag verliehen. Auch hier gilt das jeweils aktuelle Zuchtprogramm.
Häufige Fragen
Welche Voraussetzungen gelten für die Stammbuchaufnahme einer Friesenstute?
Im Verfahren, das die Deutschen Friesenpferdezüchter im K.F.P.S. für ihre Mitglieder in Deutschland beschreiben, muss sie mindestens drei Jahre alt, im Fohlenbuch registriert und mindestens 154 cm am Widerrist hoch sein. Hinzu kommen die Beurteilung durch die Körkommission und die registrierte Mitgliedschaft des Besitzers im DFZ und damit im niederländischen Stammbuch KFPS. Über die Aufnahme entscheidet laut DFZ die Jury.
Welche Note braucht eine Islandstute für das Stutbuch I?
Der Bayerische Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen nennt in seinen veröffentlichten Bewertungskriterien für Islandstuten eine Gesamtnote von mindestens 7,5 als Voraussetzung für die Eintragung in sein Stutbuch I. Maßgeblich ist das jeweils geltende Zuchtprogramm.
Was bringt der Bewertungsbogen für die Anpaarung?
Laut DFZ unterstützt der Bewertungsbogen im Friesenpferdeverfahren die Hengstauswahl für die Bedeckung. Er wird den Besitzern nach der Zuchtschau zugeschickt.
Wird aus einer Staatsprämienanwartschaft automatisch eine Staatsprämie?
Nein. Beim Bayerischen Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen sind mindestens ein gesundes Fohlen und eine positiv beendete Leistungsprüfung nötig. Bei Kleinpferderassen unter 87 cm Stockmaß entfallen laut Verband die Anforderungen an die Leistungsprüfung. Der Titel wird nur auf Antrag verliehen.
Quellen
- Bayerischer Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen – Bewertungskriterien für Körperbau, Gangarten und Gesamteindruck; kleinpfe (2026)
- Deutsche Friesenpferdezüchter im K.F.P.S. – Zuchtschauen, lineare Bewertung und Bedeutung für Zuchteinsatz und Anpaarung; mein-dfz.de
Geschrieben von Equidara-Redaktion. Stand: 24. Oktober 2026.
Fachlich geprüft von Melissa Hinze, Pferdezüchterin und Pferdehändlerin, Gründerin von Equidara.
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